Wie Schiffe auf stürmischer See
| Autor | Kathy Biggs |
| Verlag | dvt |
| ISBN | 978-3-423-28494-3 |
„Eine zarte Familiengeschichte und eine Liebeserklärung an die Kraft des Atlantiks“ entwickelt sich hier in aller Ruhe auf 400 Seiten, immer mal wieder mit stürmischer Dynamik unterbrochen – oder angestoßen…
Family first
…ließe sich das Geschehen titeln, geht es doch um Ambivalenz von Erinnern plus Distanz behalten und der Hoffnung, die zuletzt „stirbt“. Das ist die Story, kurz gefasst: „Ein tragisches Unglück, eine zerbrochene Familie – und Heilung von unerwarteter Seite…
Nach ihrer Scheidung zieht Grace zurück auf den elterlichen Bauernhof an der windgepeitschten Küste von Wales. Den harten Alltag bestreitet sie allein, ein Unfall auf See hat ihr vor vielen Jahren den Bruder genommen. Nur ein Ritual am Abend spendet Grace Ruhe und Trost: Wenn sie eine alte Tonaufnahme des Seewetterberichts auflegt, die ihren immer vergesslicher werdenden Vater jedes Mal aufs Neue in dem Glauben einschlafen lässt, das Meer sei ruhig und sein Sohn in Sicherheit. Als eines Tages eine junge Frau vor der Tür steht und behauptet, Graces Bruder sei tatsächlich noch am Leben, glaubt Grace ihr kein Wort. Doch ihr Vater lässt nicht ab von diesem Hoffnungsschimmer, und so machen die drei sich auf die Suche – eine Suche, auf der sich Grace auch ihrer eigenen schmerzhaften Geschichte stellen muss.“ Den Umgang mit ihrer Tochter inkl. (S. 68ff. – oder mit anderer Sicht im Dialog S. 286f. usw.) – und sich dennoch darauf einzulassen, den Bruder zu suchen (S. 106f. etc.). Schön, wie zudem walisische Literatur ins Spiel kommt (S. 118ff.) – und Graces eigenes Gedicht aus der Schulzeit, abschließend trefflich zitiert (S. 395f. – und im Original womöglich cornisch?!).
Demenz ist ein Thema
…das dieses Geschehen begleitet: Wie verhalten sich demente Menschen, wie erleben sie das selbst, wie gehen andere damit um, vor allem nahe Angehörige… Eben etwa aufgezeichnete wie aktuelle Seewetterberichte (S. 20f. usw. usf.) als aktivierende wie auch beruhigende Elemente oder wiederkehrend überraschendes Verschwinden und ebenso überraschendes Integrieren in eigentlich fremde Umgebungen (siehe S. 250ff. als schönes Beispiel) – oder der Einblick in die eigene Welt eines verwirrten Dementen, eben von Graces Vater Jack (S. 34f., 316ff. z.B.) als eingeschobene Kapitel mit Perspektiv-Wechsel. Den gibt´s auch mit Rückblicken aus der Sicht des Bruders „damals“ (S. 162ff.) und dessen nur heimlich auszulebendes Anderssein… Verbunden mit einem jungen Mädchen auf der Suche nach dem wahrscheinlichen Vater, das sich durch die Story zieht (bis hin zu S. 366..). Ein sehr atmosphärischer Roman im Stil eines Lokalkrimi, höchst positiv zu verstehen: informativ, spannend, nachdenklich machend – zur Selbst-Reflexion motivierend! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
