Wenn das Denken die Richtung ändert
| Autor | Kulke, Ulli/ Mohr Reinhard Mohr (Hrsg.) |
| Verlag | Kohlhammer |
| ISBN | 978-3-17-047170-2 |
Dieses Buch sei empfohlen: Personen, die sich selbst dabei ertappen, in einer ideologischen, moralischen oder Meinungs-Blase zu leben oder denen eben dies von signifikanten Anderen attestiert wird, und gerade jenen, die sich inspirieren lassen möchten, abseits des eigenen Meinens und Fühlens, Denkens und Dafür-und Dagegenhaltens Bedenkenswertes zu lesen.
Die Autoren machen es dem suchenden und neugierigen Leser leicht: Flüssig geschrieben sind alle versammelten Beiträge, die am biographischen Werdegang im Denken und Meinen nachvollziehbar machen, warum und inwiefern Haltungen und Denkprozesse das Vorzeichen verändert haben. Die Ausführlichkeit und Eindringlichkeit der Schilderungen von Veränderungen in Anschauungen, die zu mentalen Kurskorrekturen führten, fällt unterschiedlich aus, ohne dass der Gedankengang hin auf die Wendung leidet.
Zum Reflektieren animieren alle Beiträge, vermutlich jene mehr, die biographisch nahelegen, wann und durch was Veränderungen ausgelöst wurden, sei es anhand politischen Engagements in jungen Jahren, etwa herkommend aus politisch linken und/oder grünen Milieus, sei es – besonders eindrücklich – anhand von Auslandsaufenthalten, die zu besonderen Kontakten (beruflich, zufällig) führten, vor allem zu solchen, die die Beiträger geradezu dazu nötigten, das eigene Denken, die ideologische Grundausrichtung einer Revision zu unterziehen.
Gemeinsam ist den Beiträgen von Persönlichkeiten aus kulturellen, medienbezogenen und politischen Umfeldern ein kritischer, analytischer und mehr oder weniger distanzierter Blick auf das, was realpolitisch und täglich erfahrbar im persönlichen Leben wie auf politischer Bühne faktisch nicht zu leugnen ist – und dennoch getan wird, gerade von Personen und Gruppen mit weitreichender Entscheidungsmacht. Auch daran entzündet sich der Widerspruch.
Da die Kehrtwende mit der eigenen Person, dem Selbstkonzept und sozialer Eingebundenheit zu tun hat, macht es sich kein Beiträger leicht. Der Leser profitiert davon, indem er Argumentation mitvollziehen und folglich intellektuell verstehen– und schlussendlich, wenn er will, persönlich werten kann. In erster Linie geht es um intersubjektives Nachvollziehen und damit dem Begleiten von Gedanken, um Material zu sammeln für eine kritische Selbstbefragung und, so ist zu wünschen, einer nüchternen Diskussion oder Debatte. Rez. Dr. Regina Mahlmann, www.dr-mahlmann.de, www.gabal.de
