Waldohreule
| Autor | Adam Bodor |
| Verlag | Secession |
| ISBN | 978-3-96639-130-6 |
„Erzählungen“ sind hier zusammen gestellt, volle 54, unterschiedlicher Länge, auf mehr als 400 Seiten. Im ungarischen Original übrigens „Zurück zur Waldohreule“…
Perspektiven aller Art
…lassen sich entdecken, auch über nationale Grenzen hinaus gehend, nach Polen, gar nach Deutschland – und auch chronologisch „hüpfend“… „Ádám Bodors atmosphärisch und sprachlich dichte Erzählungen spielen in Vororten, Dörfern, Landstrichen von der Ostsee bis Asien, vor allem aber in uns selbst. Eine junge Frau verbringt einen Tag auf einem Gebirgspass, zwei Männer fahren mit dem Boot durch einen Abwasserkanal, eine Gruppe unterschiedlicher Menschen flicht Körbe, ein Mann hält in einer Bewegung inne und sorgt so für Unruhe. Die Welten, die uns hier begegnen, sind geheimnisvoll, doch die Regungen ihrer Bewohner verblüffend, oft erschütternd bekannt.“ Und häufig geht es (auch) um die Begegnung von Mensch und Tier, sei es auf dem Bauernhof (Kühe…), im Alltag (Hunde…) – oder im Wald: S. 333ff. findet sich die (im Orignal eben komplett) titelgebende Geschichte „Zurück zur Waldohreule“… „Das Beschriebene nimmt nicht den Umweg über den Verstand der Lesenden, sondern wirkt unmittelbar, beinahe körperlich. Mit nur wenigen Worten gelingt es Bodor, die verborgensten Winkel menschlicher Empfindungen auszuleuchten, sei es Liebe, Grausamkeit, Einsamkeit oder die Verbundenheit mit der Welt.“ Manche Geschichte hat mich literarisch an vertiefende Langtexte etwa zur Stalin- oder Gulag-Zeit erinnert (Die Außenstelle, S. 230ff.)…
Solisten
…sind die meisten der handelnden Personen, doch es gibt auch Geschichten, die ineinander greifen und in diesem Sammelband meist auch auf einander folgend präsentiert werden, etwa rund um „Das Glück des Sämanns“ (S. 292ff.). Ja, „seine Protagonisten sind Reisende, Verbannte und Neuanfänger, die sich in elegante, stets passgenaue Sätze gekleidet durch verregnete Straßen, nebelverhangene Wälder, über hitzeflirrende, ins Ungewisse führende Pfade bewegen. Die Verhältnisse sind vergänglich, wie auch immer sie gestaltet sein mögen, das weiß der Autor, und das wissen, spüren auch die, die ihn lesen – vielleicht liegt auch darin der Grund, warum diese Erzählungen so aufrüttelnd und zugleich so tröstlich sind. Ádám Bodor kennt die Fäden, aus denen das Leben sich webt, sehr genau, das zeigen, neben seinen herausragenden Romanen, auch die in den über fünfzig Jahren seines Schaffens entstandenen Erzählungen. Waldohreule ist eine in Absprache mit dem Autor getroffene Auswahl dieser Texte.“ Die thematisch schon mal zusammen passen, wenn auch im Buch räumlich getrennt, etwa Mülldeponie (S. 105ff.) und Der Geruch unserer Verwandten (S. 345ff.): Da lässt sich vielerlei entdecken, manches mglw. erst beim zweiten Lesen…
Einige Geschichten-Titel
…mögen den Lesae-Appetit anregen: Der Barbier * Ein grimmiger Mann * Das Mädchen vom Einödhof * Ein Mann von unguter Erscheinung… Zoo * Ein Fuchs * Wolf … Ein Ort, wo Körbe geflochten werden * Wissenswertes über Köhler … Die verborgene Schwelle der Einsamkeit * Einführung in einen Beruf * Zeugenaussage: Ungewöhnlich vielerlei Themen und Kontexte also sind geboten… Auch de Ausstattung des Bandes ist übrigens durchaus ungewöhnlich: An die Stelle eines Schutzumschlags treten eingeklebte Klappen-Texte vorm/im Vorsatz vorne und hinten, fein! Das Hardcover ist wertig gebunden, ein Waldohreulen-Paar tritt im Cover wie auf dem Rücktitel entgegen, jenes übrigens für sich, völlig textfrei… Wer mal was Anderes als ruhige und zugleich anregend-nachdenklich machende Lektüre sucht, greife zu… HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
