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Vernichtung

AutorDavid Lagercrantz
VerlagHeyne
ISBN978-3-453-27100-5

„Ich werde die Jägerin sein und nicht die Gejagte“ affirmiert Lisbeth Salander, sich selbst erneut zu motivieren. Doch letztlich hat sie eine Blockade im Moment des scheinbaren Finales – und weiter geht´s. Geht´s weiter?!Jedenfalls ohne diesen Autor: Dieser ist wohl der letzte in der Reihe – nach der Original-Trilogie eine weitere des beauftragten Nachfolge-Autors, selbst renommierter Krimi-/Thriller-Schreiber. Jedenfalls hat er seinen Ausstieg angekündigt…

Was geschah in Nepal wirklich…
…und warum? Dass dort am Mount Everest irgendetwas Extremes passiert sein muss, erschließt sich dem Leser schnell: „Ein Obdachloser wird tot auf dem Stockholmer Mariatorget gefunden. In seiner Jackentasche findet sich die Telefonnummer von Mikael Blomkvist. Als eine DNA-Analyse ergibt, dass der Obdachlose ein sogenanntes Super-Gen besaß, das nur in einer bestimmten Ethnie in Nepal vorkommt, wird Blomkvist hellhörig und nimmt die Recherche auf. Lisbeth Salander hält sich unterdessen in Moskau auf, wo sie einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester Camilla plant. Blomkvist bittet Salander um Unterstützung, und sie findet heraus, dass der Obdachlose ein Sherpa war, der an einer dramatischen Mount-Everest-Expedition mit tödlichem Ausgang teilgenommen hatte. Blomkvist kontaktiert einen der Überlebenden der Expedition und verschwindet plötzlich spurlos. Salander macht sich sofort auf die Suche nach ihm. Sie spürt, dass Blomkvist in großer Gefahr schwebt.“ Natürlich behält sie ihre frühere Wohnung im Blick und braucht mehrfach ihre Freunde im Darknet, angefragt als Wasp. Was mit ihr selbst geschehen könnte, ist dabei für sie immer sekundär.

Gefahr, höchste – Alarmstufe Rot!
Und dennoch, sie bringt mit ihrem sprunghaften Vorgehen wieder kehrend andere in Gefahr. Andere, die ihr wichtig sind … Zugleich wird sie auf diese Weise wenig vorher zu berechnen, für ihre Schwester Camilla (nun: Kira) und deren Anhang: Gefolge ihres Vaters Zalaschenko plus Motorrad-Gang … Der Clou dieses 6. Salander-Thrillers ist das Sherpa-Gen: Leser lernt Interessantes aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, von Lisbeth wie immer ratzfatz recherchiert und kapiert (z.B. S. 128ff. – Haplo-Gruppen, Mutation & Co.). Und über Kommunikation, manipulative nämlich, dieses Mal von der Schwester (S. 220f.): „Eine ihrer ersten Lektionen hatte gelautet, dass Schweigen und Reglosigkeit mehr Angst erzeugten als jeder Ausbruch…“. Dann wieder Lisbeth (S. 393): „Sie studierte die Körpersprache der Männer, maß den Abstand zu dem Loch im Fenster, zu ihrem Motorrad und zu einer Eisenstange … Sie fasste Entschlüsse, verwarf sie wieder“ und fand schließlich einen Lösungs-Ansatz, der das Finale entscheidet. Gar Comics kommen ins Spiel, via eine Zeugin: „Wie Kapitän Haddock in Tim und Struppi … der einen Teufel und ein Engelchen auf seinen Schultern hat, wenn ihn die Lust auf Alkohol packt.“ Wieder stark konstruiert und fein zelebriert, dieser Salander-Thriller! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter