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Verbotenes Wissen

AutorErnst Peter Fischer
VerlagRowohlt Berlin
ISBN978-3-737-100056-4

„Geschichte einer Unterdrückung“ als Untertitel, „Wie gefährlich ist Wissen?“ als Leitfrage auf dem Rückentitel zeigen die Richtung zumindest teilweise an. Doch tatsächlich ist es ein Rundumschlag, den der Autor vornimmt.

Wollen und dürfen
Wollen wir all das wissen, was möglich ist? Können wir´s verstehen? Das steht vor dem von anderer Seite versteckten Wissen, via Verbot. Doch eben damit steigt Fischer ein: „Am Anfang verbietet Gott Adam und Eva, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Ein Muster, das sich durch die Jahrtausende nicht geändert hat: Die Geschichte des Wissens, so zeigt uns Ernst Peter Fischer, ist immer auch eine Geschichte seiner Unterdrückung. Er erzählt von Giordano Bruno, der für sein Wissen über das Weltall auf dem Scheiterhaufen landete, und von Leonardo da Vinci, der seine anatomischen Studien verbarg, um nicht in Konflikt mit der Kirche zu geraten. Aber diese Beispiele zeigen auch: Wissen lässt sich nicht dauerhaft verbieten.“ Denn neugierig sei er, der Mensch… Und muss auch für sich selbst entscheiden, was er wissen will … Leser geht auf eine Reise durch Jahrhunderte auf über 300 Seiten. Dabei erlebt er (und erliest sich) Varianten von „Geheimnis“, seien es arkanische, secrets, Okkultes usw. (S. 114ff.) – oder auch das Beichtgeheimnis, das er nahe zum Schluss hinterfragt.

Ethik und Datenschutz
… sind scheinbar moderne Varianten von eher zu schützendem Wissen. Doch hat sich „der Mensch“ schon lange Gedanken darum gemacht, was Privatheit und Erlaubtsein als Einstellung angeht, aus sich selbst heraus. Denn „dabei darf nicht die dunkle Seite vergessen werden, denn Wissen bedeutet, wie Francis Bacon festhielt, auch Macht. Wie wäre das 20. Jahrhundert verlaufen, wenn die Erfinder der Atombombe ihre Erkenntnisse für sich behalten hätten? Wie steht es um die Embryonenforschung heute – muss dieses Wissen nicht reglementiert werden? Und lässt es sich im Hyper-Informationszeitalter überhaupt noch verbieten?“ Vielerlei Literatur führt der Autor an, sei es die Bibel, seien es „Die Physiker“ – und Philosophisches en masse, doch sehr gezielt. „Ernst Peter Fischer erzählt gelehrt und hochspannend [hmm?! Eher unterhaltsam] von den Pionieren der Wahrheit, aber auch von der Verfolgung, der sie oft ausgesetzt waren. Wir verstehen, was Wissen tatsächlich bewirken kann – und warum der Mensch seit jeher nach Erkenntnis strebt.“ Vielmehr: dass er eben dies tut. Anregend, sich weitere Gedanken zu machen … HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter