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The Secret – Das Geheimnis

AutorRhonda Byrne
Verlagsonstige

DVD
Spieldauer: 91 Minuten
Preis: 31,97 € 

 

 

Haben Sie einen Wunsch, der bis dato unerfüllt blieb? Gleichgültig, um was für einen Wunsch es sich handelt: Bestellen Sie seine Erfüllung einfach „im Universum“ – und die Erfüllung ist garantiert. Zugegeben, manchmal dauert es ein paar Jahre, wie beispielsweise bei einem Besteller, der 5 Jahre auf sein Traumhaus gewartet hat. Manchmal geht`s aber auch prompt, etwa bei der viel zitierten Parkplatzsuche. Alles, worauf Sie achten müssen, ist: dass Sie Ihren Wunsch sowohl denken als auch fühlen: Sie müssen ihn „wirklich“ wünschen, und auch fest daran glauben, dass „das Universum“ Ihren Wunsch erfüllen wird. Die Erfüllungsgarantie leitet sich übrigens daraus ab, dass Gedanken, Gefühle und Glaube „Energie“ sind – und gemäß „Quantenphysik“ – das Universum aus Energie besteht. Und da Ihre Energie von der des Universums „angezogen“ wird, werden Wunsch und Universum einander keinesfalls verfehlen. Ja, und damit ist „das Geheimnis“ auch schon benannt.

Konnte „Bleep“ noch in künstlerischer Hinsicht als kreativ bis originell gelten, kann das für „The Secret“ kaum beansprucht werden. Die Schlichtheit der Darstellung entspricht dabei durchaus der Schlichtheit der Botschaft. Und diese lautet: Jeder ist für das verantwortlich, was ihm widerfährt – egal, ob Armut oder Reichtum, Krankheit oder Gesundheit. Denn jeder kann eine Bestellung aufgeben und sich darauf programmieren, lächelnd, dankbar und lernbegierig durch die Welt zu ziehen, so dass ihm – gewissermaßen im monokausalen Prozess des Echos bzw. der self-fulfillung-prophecy – das geschieht, was er selbst aussendet bzw. durch sein Verhalten, Denken, Fühlen verstärkt. So einfach ist das. Alles, was geschieht, geschieht mit individuell verursachter Notwendigkeit, also aufgrund der je eigenen Art, in der Welt zu sein.

Nun gibt es vielerlei Art, menschliches Leben zu betrachten. Und stellten sich die etwa zwei Gedanken, die in dem Film vorgetragen werden, als philosophisches Spekulieren, metaphysisches Sinnieren, als auch um physikalische Erkenntnisse bereicherte Reflexionen dar, die versuchsweise auf die Frage angewandt werden, wie unter bestimmten Annahmen menschliches Leben als „gutes“ Leben geführt werden könne – das Sichten des Films, das Hören und Aufnehmen der Beiträge würde trotz der intellektuellen Schlichtheit der Botschaft und ihrer Begründung anders gefiltert, nämlich als Anregung zum Nachdenken. Doch die Sprechenden treten, z.T. hoch suggestiv, auf mit dem Pathos, nicht nur ein „Geheimnis“, das „tausende von Jahren“ alt sei, zu lüften, um es allen Menschen zugänglich zu machen. Sondern sie treten auf mit dem Anspruch eine einzige Wahrheit zu verbreiten. Und diese „Wahrheit“ ist nicht nur vor philosophischem und physikalistischem Vorzeichen außerordentlich fragwürdig, sondern psychologisch höchst brisant. Denn zum einen wird der Einzelne, siehe oben, verantwortlich gemacht für alles, was in seinem Leben geschieht und nicht geschieht und wie es geschieht; und zum zweiten wird einem ego-zentrierten Blick und einer ich-bezogenen Lebensführung das Wort geredet. Hinzu mag noch eine oberflächlich als hedonistisch verkleidete Tendenz kommen, der gemäß ein gutes Leben auf ein „schickes“, angenehmes, in Reichtum zu verbringendes Leben reduziert wird. So wird jeder Leidende auf sich selbst verwiesen mit dem saloppen Hinweis: „Du wolltest es doch so! Denk` und fühl` anders, gib Deine Bestellung auf – und Du wirst Dich besser fühlen, geheilt werden, reich werden.“

Pardon, bitte, diesen Film zu empfehlen, kann ich weder aus theoretisch-wissenschaftlicher, noch aus philosophischer noch aus pragmatischer Sicht der Selbsthilfe oder des „self improvements“ vertreten. Schon gar nicht jenen Personen, die mit seelischer Not ihren oder einen Sinn in ihrem Leben suchen, sich Orientierung in der komplexen Welt erarbeiten möchten und/oder sich in einer krisenhaften Lebenssituation befinden.

Dr. Regina Mahlmann