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Stonehenge – Die Kathedrale der Zeit

Autor Ken Follett
Verlag Lübbe
ISBN 978-3-757-70123-9

„Mit seinem ambitionierten neuen Roman lädt Welt-Bestsellerautor Ken Follett uns ein, an seiner Seite eines der größten Mysterien der Weltgeschichte zu erkunden: Stonehenge…“ Im September 2025 weltweit zeitgleich erschienen, original „Circle of Days“, mit deutlich über 650 Seiten. Und damit quasi rechtzeitig so, dass Erich von Däniken des Autors gelungene „Rekonstruktion“ des Baus zur Kenntnis hat nehmen müssen, völlig frei von außerirdischem Einfluss – statt sich „im Grabe umdrehen zu müssen“ (verstorben am 10.01.2026)…

Eine Art Gilden-System
…unterstellt der Autor den Menschen jener Zeit: Da leben recht nahe beieinander parallel klar getrennte Gruppen von Hirten, Waldmenschen und Bauern, die sich unterschiedlich ernähren (Vieh hüten, Früchte sammeln, Getreide anbauen) – und untereinander ihre Güter tauschen, Dienstleistungen inkl., es gibt auch noch Feuersteinhauer… Und das zu bestimmten Zeiten, entwickelt rund um die Priesterinnen: „Ein Mann mit außergewöhnlicher Gabe: In der Hitze des Hochsommers überquert Seft, ein begnadeter Feuersteinhauer, die Große Ebene, um den Ritualen beizuwohnen, die den Beginn des neuen Jahres anzeigen. Beim Markt zur Sommersonnenwende will er einige seiner Steine eintauschen und Neen suchen, das Mädchen, das er liebt. Neens Familie lebt in Wohlstand und bietet Seft in ihrer Gemeinschaft von Hirten Zuflucht vor seinem brutalen Vater und seinen aggressiven Brüdern. Eine Priesterin, die an das Unmögliche glaubt: Joia, Neens Schwester, ist eine Priesterin mit Vision, eine geborene Anführerin. Schon als Kind sieht sie der Zeremonie zur Sommersonnenwende wie gebannt zu. Sie träumt von einem wundergleichen neuen Monument, errichtet aus den größten Steinen der Welt. Ein Monument, das eine Zivilisation prägen wird: Joias Vision von einem großen Steinkreis inspiriert Seft und wird zu ihrem gemeinsamen Lebenswerk. Doch als Dürre die Erde plagt, wächst das Misstrauen zwischen Hirten, Ackerbauern und Waldbewohnern – und eine grausame Gewalttat führt zu offenem Krieg…“ Sie sind einfach zu unterschiedlich – doch entscheidend dafür sind lt. Autor einzelne Personen, die sich aggressiver (S. 146f. usw.) und egoistischer resp. ausgleichender und eher altruistisch verhalten:

Frauen und Männer
Auch die Rolle der Frauen wird unterschiedlich definiert (etwa auch bei der Weitergabe von Wissen, S. 218f.), Sex-Praktiken durchaus verschieden entwickelt (S. 194f. z.B. – und differenziert zu Liebe, siehe S. 606). Inwieweit sich das durch Forschung bestätigen ließe, hmm… Entscheidend ist: Das Szenario liest sich glaubhaft, bis hin zum gelingenden Gestalten der „Kathedrale“, eben dem Steinkreis, wie wir ihn heute noch kennen! Inkl. der besonderen Rolle der Priesterinnen fürs Spirituelle (S. 97 etc., zudem viele lesbisch, S. 540 etc.), gibt es doch genügend Belege für ein früheres Matriarchat, wobei die Ältesten eine Mischung aus Frauen und Männern bieten – mit allerdings klischeehaft gezeichnetem Verhalten. Doch das wird von anderen durchbrochen (z.B. 302f., 494f. etc. durch cleveres Handeln von Seft – oder durch einen Mann als Geschichten-Erzähler S. 418f.). Doch werde nur happy-endings erwartet, kennt seinen Follett wenig! Und natürlich mag der eine oder die andere aus der Leserschaft sich zum Reflektieren angeregt fühlen – über Situationen vor einem Jahrhundert oder gar in heutiger Zeit: Mit charismatischer Person, der eine Masse folgt. Im positiven Sinne bei Joia, im negativen gleich mit mehreren Antagonisten… Fazit: Wieder mal ein gelungener Follett im besten Sinne! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter