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Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart

AutorMarkus Brüderlin
Verlagsonstige
Seiten208 Seiten
ISBN978-3832-19277-8
Preis39,95

Wussten Sie, dass Rudolf Steiner eigentlich die Naturwissenschaft (r)evolutionieren wollte, letztlich Einfluss in Geisteswissenschaftlichem gewann? Ähnlich wie Goethe, der in seiner Farbenlehre sein Hauptwerk sehen wollte – und dessen naturwissenschaftliche Schriften herauszugeben Steiner als frühe Aufgabe erhalten hatte. Später hat er zweimal das Goetheaneum erbaut, in der Nähe von Basel… Mir wars neu – und bekannt ist er ja durch seine Anthroposophie, ursprünglich entwickelt als Gegenpol zur Theosophie, der er lange folgte. Bekannt ist er durch Stichworte wie Waldorfschule, Naturheilkunde/Homöopathie und spirituell-esoterischer Lebensweise. Unternehmer wie Götz Werner (dm) sind von ihm geprägt – und eine lange Reihe von Künstlern: Dies ist es, was die Ausstellungen zum 150. Geburtstag Rudolf Steiners 2010 beleuchten – sein eigenes Oeuvre in Skizzen, Malerei, Skulpturen – und vor allem Vortrags-begleitenden Darstelllungen. Und das von Künstlern jeglicher Couleur, die sich der Bezüge mehr oder weniger bewusst sind. Im Katalog finden sie Gespräche und Zitate dieser Künstler vereint mit den Abbildungen ausgestellter (und weiterer) Werke. Sie „illustrieren“ die Denk- und Handlungswelt von Rudolf Steiner, seine Bezüge und Einflüsse auf die moderne Welt verbal exzellent:

Joseph Beuys etwa nimmt Bezug auf die Dreiteilung der Staatsgewalt in Exekutive, Legislative und Rechtssprechung, worauf  Konrad Schily sogar im Bundestag rekurrierte: Freiheit im Geistesleben, Gleichheit vor dem Recht, Brüderlichkeit in der Wirtschaft… (S. 60f.; zudem S. 210)

Giuseppe Penone als Vertreter der Arte Povera sagt z.B.: „Die Parallele, die in Goethes Gedanken zwischen der pflanzlichen Verwandlung und der Wirbelsäule besteht, ist überraschend für mich und stellt die Entwicklung einer synchronischen Vision des Universums dar, die zur Geschichte der humanistischen Kultur gehört. Ich glaube, dass Rudolf Steiner diese Intuition von Goethe entlieh, als er eine Parallele zwischen Mistel und Krebsgeschwulst beschrieb und eine Krebstherapie mit Auszügen aus dieser Pflanze begründete.“ (S. 73)

Meris Angioletti ist u.a. durch Video- und Soundarbeiten bekannt: „Das Werk Rudolf Steiners habe ich durch eine Art Querverbindung kennengelernt, als ich mich mit Hilma af Klint beschäftigte. Sie war nicht nur eine frühe Vertreterin der abstrakten Malerei, sondern interessierte sich auch für Antroposophie und wirkte als Medium. In ihrem Werk gibt es zahlreiche Berührungspunkte mit der antroposophischen Lehre, insbesondere  mit der Auffassung vom Menschen als Wesen, in dem sich die drei Seinsbereiche des Körperlichen, Geistigen und Astralen überschneiden… Sowohl der immer neu vollzogene Übergang von der geistigen Erfahrung zur künstlerisch-formalen Gestaltung als auch das Verständnis der Kunst als Darstellungsmittel physischer Prozesse… können der Ausgangspunkt sein zur Bestimmung der Möglichkeiten von Kunst…“ (S. 154)

Nur einige wenige Zitate aus einer opulenten Fülle, die sich Leser (und Betrachter und Erlebender…) selbst erschließen möge! Der (buch-)technisch aufwändig gemachte Band schließt mit einem Kapitel „Wo ist der Geist heute?“, in dem u.a. Götz W. Werner und Beat Wyss zu Wort kommen… Die Ausstellungen laufen in Wolfsburg 13.05. – 03.10.2010, in Stuttgart 05.02. bis 22.05.2011. Siehe auch www.design-museum.de.

Hanspeter Reiter