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Muster: Theorie der digitalen Gesellschaft

AutorArmin Nassehi
VerlagC.H.Beck
ISBN978-3-406-76024-4

„Muster“ sind es, die der Autor als relevant für die moderne Gesellschaft identifiziert. Woraus er seine zentrale These ableitet, dass die Digitalisierung schlicht die logische Konsequenz darstellt statt ihrerseits die Gesellschaft zu verändern: So gesehen, schlicht evolutionär statt disruptiv?!

Gesellschaft – die dritte Entdeckung
… nach der Erfindung des Institutionen-Arrangements moderner Gesellschaften (nach der Französischen Revolution) und nach der Politisierung von Gesellschaftsgestaltung (während der Liberalisierungs-Schübe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts), siehe z.B. S. 326 zusammen fassend. Die Perspektive ist als These des Autors zu verändern: „Wir glauben, der Siegeszug der digitalen Technik habe innerhalb weniger Jahre alles revolutioniert: unsere Beziehungen, unsere Arbeit und sogar die Funktionsweise demokratischer Wahlen. In seiner neuen Gesellschaftstheorie dreht der Soziologe Armin Nassehi den Spieß um und zeigt jenseits von Panik und Verharmlosung, dass die Digitalisierung nur eine besonders ausgefeilte technische Lösung für ein Problem ist, das sich in modernen Gesellschaften seit jeher stellt: Wie geht die Gesellschaft, wie gehen Unternehmen, Staaten, Verwaltungen, Strafverfolgungsbehörden, aber auch wir selbst mit unsichtbaren Mustern um?“

Alles Soziologie?!
In neun Kapitels dröselt der Autor historisch und aktuell Bezüge auf und begründet damit letztlich seine These: Das Bezugsproblem der Digitalisierung * Der Eigensinn des Digitalen * Multiple Verdopplungen der Welt [bemerkenswerte Interpretation, fein!] * Einfalt und Vielfalt * Funktionierende Technik [für ihn ein Rand-Thema statt zentral wie meist in der Diskussion] * Lernende Technik * Das Internet als Massenmedium * Gefährdete Privatheit * Debug: Die Wiedergeburt der Soziologie aus dem Geist der Digitalisierung. Plus einem Exkurs „Digitaler Stoffwechsel“ (S. 188ff.). Kurz gefasst: „Schon seit dem 19. Jahrhundert werden in funktional ausdifferenzierten Gesellschaften statistische Mustererkennungs-Technologien angewandt, um menschliche Verhaltensweisen zu erkennen, zu regulieren und zu kontrollieren. Oft genug wird die Digitalisierung unserer Lebenswelt heutzutage als Störung erlebt, als Herausforderung und als Infragestellung von gewohnten Routinen.“ Womit wir (wieder) zum Kern kommen: „Im vorliegenden Buch unternimmt Armin Nassehi den Versuch, die Digitaltechnik in der Struktur der modernen Gesellschaft selbst zu fundieren. Er entwickelt die These, dass bestimmte gesellschaftliche Regelmäßigkeiten, Strukturen und Muster das Material bilden, aus dem die Digitalisierung erst ihr ökonomisches, politisches und wissenschaftliches Kontroll- und Steuerungspotential schöpft. Infolge der Digitalisierung wird die Gesellschaft heute also regelrecht neu entdeckt.“ Wow, schon „wird ein Schuh daraus“: Digitalisierung willkommen heißen statt sie entweder zu verteufeln oder als Allheilmittel zu erheben! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter