Skip to main content

Links-grüne Meinungsmacht

Autor Julia Ruhs
Verlag LMV
ISBN 978-3-7844-3749-1

„Die Spaltung unseres Landes“ als Untertitel plus „Der verlorene Glaube an die Meinungsfreiheit“ als Rückseiten-Headline verdeutlichen zusätzlich die Tendenz des Inhalts von annähernd 200 Seiten.

Tatsächlich „objektiv“?
Darüber lässt sich trefflich „streiten“ – allerdings zugleich Hatespeech vermeiden, in „beide“ Richtungen… Die Autorin ist als Journalistin durchaus umstritten, wurde aufgrund ihres Formats „Klar“ kürzlich beim NDR gestoppt, während es beim BR durchaus weiter ausgestrahlt wird, mit ihr… Nun also, „Julia Ruhs war stets überzeugt, ganz normale Meinungen zu vertreten – bis sie Journalistin wurde. Sie sprach sich als Volontärin in der ARD gegen das Gendern aus und warnte später in einem Kommentar der „Tagesthemen“ vor illegaler Einwanderung. Sie sprach sachlich und mit Bedacht Themen an, die viele Menschen im Lande bewegen. Aber plötzlich war sie eine Exotin im Metier. Die Reaktion war ein linker „Shitstorm“, leider Normalität heutzutage. Die Politikjournalistin Julia Ruhs ist Reporterin beim Bayerischen Rundfunk sowie Kolumnistin für Focus Online. Dieses Buch ist ihr Plädoyer für eine offene Debattenkultur, in der auch kritische und unbequeme Meinungen Gehör finden müssen. Sie hinterfragt, gerade als Journalistin, den herrschenden Zeitgeist, der offenbar nur eine Richtung zuzulassen scheint. Und sie verdeutlicht, warum manche Meinungen laut und andere leise sind, warum Konservative im Journalismus Mangelware sind, weshalb sich Journalisten für besonders mutig halten, um trotzdem lieber mit dem Strom zu schwimmen. Und sie dokumentiert, wie ein Berufsstand, der Neutralität predigt, immer stärker polarisiert.“ Dieses Thema geht sie detailliert und strukturiert an:

Ein Dutzend Kapitel
…sind der Leserschaft geboten, von „Im Auge des Shitstorms“ über u.a. „Linke Besserwisserei“ hin zu „Angekratztes Ego“ – jeweils in leicht zu konsumierenden Häppchen. Und mit vielerlei Zitaten versehen, meist von Absendern via Social-media an sie gerichtet. Journalismus, Bubble, Mainstream, Moral, alternative Medien sind einige Stichworte, die aufgearbeitet werden: Da gibt es die „Überzüchtung des Diskurses“ (S. 61ff.), Zitate rund um Migration, auch von Expertenseite (S. 96), den „Aiwanger-Effekt“ mit Reaktanz-Resultat des offenbar erhofften (S. 119ff.), Erläuterungen von Jeff Jarvis zur Trump-Wahl (S. 146f. – siehe seinen Beitrag zu den Medientagen München, über die ich berichtet habe, auf www.gabal.de) – und Gruppendruck mit interessanten Folgen fürs Verarbeiten des menschlichen Gehirns (S. 269ff.), u.a. … Nun, trotzdem die Autorin vielfach betont, Stimmen vielseitig Raum geben zu wollen, für einen objektivierten subjektiven Entscheid des Publikums (meine Worte!), scheint´s mir doch ziemlich einseitig zu ein: Eben gegen das, was sie lt. Titel sieht, nennt und in ihrer Praxis als Journalistin … behandelt. Wobei die Tonalität angenehm sachlich bleibt. Voila, lesenswert anyway! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter