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Licht brennt

Autor Eva Rossmann
Verlag folio
ISBN 978-3-85256-938-9

„Ein Mira-Valensky-Krimi“ mit viel Lokalkolorit – und zugleich eine Art Branchen-Panorama rund um Buch-Verlage, auf unterhaltsam-spannenden wie auch sehr informativen annähernd 300 Seiten.

Verlage tun sich schwer
…in Österreich genauso wie in Deutschland – oder erst recht, wegen der deutlich schmaleren „Heimat-Zielgruppe“ = Einwohnerzahl. Und dann auch noch dies?! Nun, darum geht´s, kurz: „Eine TV-Ikone mit dubiosem Lebenslauf und ein Kultverlag vor dem Aus. Analog und in Ruhe will die ehemalige US-Moderatorin Gina Merano am Wörthersee leben. Ihre Biografie wäre für Gunter Fried eine Chance, seinen Traditionsverlag zu retten. Als Zeichen der Aufklärung brennt dort im Bibliothekssalon seit beinahe hundert Jahren Licht. Doch bei einem Bootsunfall kommt Merano beinahe ums Leben – Selbstmordversuch oder Anschlag? Ein Dossier weckt Zweifel an ihrem Lebenslauf. Hat sie tatsächlich bei Umberto Eco studiert? Was geschah 1980 in Bologna? Der umtriebige Neffe des Verlegers setzt auf KI und New Adult und landet in seiner eigenen Edition einen Bestseller. Doch wer hat ihn wirklich geschrieben? Als ihn Mira Valensky und ihre Freundin Vesna Krajner erschlagen unter einem Bücherregal finden, scheint nur klar: Die Verlagskatze ist es nicht gewesen. Umberto Eco und KI: Was gilt die Wahrheit?“ Oder Lügen, siehe ein Dossier, das (typisch!) Trump in Auftrag gegeben haben soll (S. 70f.), das immer wieder aufpoppt, doch letztlich verborgen bleibt. Gar Schreibmaschinen-Skripte kommen ins Spiel, die dann tatsächlich in anderer Typographie, feine Idee (S. 272f. und drumherum)!

Die Autorin schafft es brillant
…den Spannungsbogen zum Mord am Jungspund mit einer tiefen Branchen-Analyse zu verbinden: Vieles zum Trend Romantasy (& Co., etwa S. 38f.), über Urgesteine der Branche (à la graue Eminenzen, S. 114f. usw.), das Umgehen mit Manuskripten (bis hin zum fertigen Buch, S. 148f. etc.), die Frankfurter Buchmesse mit Verlagen und Autoren (S. 172ff.), das Generieren von „Bestsellern“ (in A und D, ‚S. 240f.), natürlich das Für und Wider von KI (S. 190f. z.B.) usw. usf. So gesehen, sollte das Pflicht-Lektüre sein – für alle, die frisch ins Verlagswesen einsteigen wollen. Oder gar für den Campus in Frankfurt  – weil Weiterbildung im Belletristik-Gewand…Und was hat bitteschön Umberto Eco damit zu tun? Nun, da gibt es einige Zitate und vielerlei Bezüge, etwa S. 221f. Und dann lässt die Autorin immer mehr das Wasser im Mund ihrer Leserschaft zusammen laufen, wenn Mira nebenbei die Rezepte für ihre Kochkünste verrät (und die von Fried, S. 128f. usw.). Sehr lesenswert außerdem der Anhang (u.a. mit Eco & Co., S. 291ff.). Voila, lesen & genießen! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter