Konfliktzone Ostsee
| Autor | Oliver Moody |
| Verlag | Klett-Cotta |
| ISBN | 978-3-608-96650-3 |
„Die Zukunft Europas“ sieht der Autor in jener Region richtungsweisend – und analysiert die Situation trefflich auf deutlich mehr als 500 Seiten (inkl. ausführlichem Apparat an Anmerkungen S. 457ff.). Natürlich bezogen auf den Auslöser Ukraine-Überfall…
Über Europa wird im Osten entschieden
…das ist vielerorts allgemeine Meinung, weit über diesen „Osten“ hinaus – und natürlich und besonders gilt das (beides) rund um die Ostsee… Denn „die Zeit der europäischen Ostseestaaten ist angebrochen: Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Estland, Lettland, Litauen. Als neuer Gegenpol Russlands bestimmen sie über die Zukunft Europas. Oliver Moody entwirft fesselnd das Panorama einer politisch zu lange unterschätzten Region. Mehr denn je braucht der Westen nun ihre Perspektiven. Mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich die geopolitische Lage bedrohlich verändert: Putin ist im Konflikt mit dem gesamten Westen und greift bereits nach der Ostsee. Die USA unter Donald Trump verschärft die Lage bedrohlich. Es kommt nun auf die acht europäischen Anrainerstaaten an, die Probleme des Kontinents zu bewältigen und wichtige Bündnisse untereinander einzugehen.“ Die Aussagen dazu entwickelt er in elf Kapiteln (plus Epilog S. 435ff., seine Erkenntnisse im Ausblick zusammenfassend) in drei Teilen, überschrieben mit Resilienz, Widerstand und Überleben.
Aus Vergangenem in die Gegenwart
…und dann mit Blick in eine mögliche Zukunft, wie Europa im Gebiet der Ostsee künftig agieren könnte, die Anrainer-Staaten als natürliche Front-Staaten vorneweg (mit besonderem Verstehen russischen Vorgehens aus eigenem Erleben in der Vergangenheit siehe etwa S. 442), doch auch und gerade mit Deutschland (weniger den USA!), das erschließt sich in Breite und Tiefe für die interessierte Leserschaft: „Mit tiefem Verständnis erkundet Oliver Moody diese neuerliche Konfliktzone, um ihre akuten Gefahren, politischen Möglichkeiten und vielschichtigen Beziehungen zu verstehen. Durch viele Begegnungen und Gespräche mit Experten, Politikerinnen, hochrangigen Militärs und Bürgerinnen entwickelt er ein feines Gespür für die Geschichte, Strategien und Perspektiven dieser Länder. Auf die Fragen, wie die Ressourcen demokratischer Gesellschaften angesichts andauernder Unsicherheit mobilisiert werden können, findet Moody die dringend benötigten Antworten. Das Buch zur Zeitenwende – mit einem exklusiven Zusatzkapitel zu den deutsch-polnischen Beziehungen.“ Das wiederum als ewig aktuelles Thema, gerade wieder (derzeit nach Antritts-Besuch des neuen polnischen Präsidenten bei dem unseren, soifz…) – u.a. S.290ff. zur Nazizeit… .
Augen auf
…und mit manches Mal hoch gezogen Brauen zur Kenntnis nehmen, womit zu rechnen ist – und was alles in früheren Jahrhunderten geschehen ist, getriggert von Russland (Zarenreich…) wie übrigens auch von Deutschland, gerade was die baltischen Staaten angeht (und Polen natürlich)! Ein gutes Dutzend Eselsohren zeigt, wieviel auch für mich neu und bedeutsam aufzufinden war… In der jüngeren Vergangenheit habe ich etwa selbst erlebt, dass aus dem Baltikum junge Leute zum Studium nach Deutschland entsandt wurden (hier für Estland genannt, S. 52ff.), und dort studienbegleitend ihre Brötchen etwa im Call-Center verdienten, so die Deutsch-Kenntnisse reichten (z.B. allerdings aus Litauen) – um dann in die Heimat zurück zu kehren und dort aktiv zu werden. Mich als studierten Finnougrist haben zudem Finnland und Estland besonders interessiert, die natürlich je ein eigenes Kapitel erhalten haben (Absolute Verteidigung S. 73ff., Tigersprung S. 29ff.), fein! Zu Finnland siehe (S. 80f.) u.a. sisu als nationales Durchhalten, Gier nach Technologie und das „Bewusstsein für die Abhängigkeit von Ressourcen und Lieferketten“ (auch S. 100f.). Erinnert wird ans zurück haltende Umgehen „Europas“ (vor allem und auch Deutschlands!) in Zusammenhang mit den Unabhängigkeits-Bestrebungen der drei Balten-Staaten nach 1990 (u.a. S. 131 Estland, S. 252 Litauen und China, usw.). Fische und Pipelines (S. 154f.), „verlängerte Werkbank“ (u.a. Polen S. 1876), Fertig geschrieben im Herbst 2024 (siehe Vorbemerkung S. 9ff.), gibt es für neue Merz-Regierung nur angedeutete Hinweise auf die möglichen Unterschiede zur Ampel (S. 320ff. usw.). Wie steht es um einen potenziellen Putin-Angriff auf „den Westen“ (z.B. S. 342f., 382f., 424ff.)? Das mit Blick auf Putins Groß- und übermächtig Werden (S. 366ff. etc.).. Mit vielerlei Zitaten aus Gesprächen und Interviews gespickt, die der Autor durch Einschub deutlich macht. HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
