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Komplexitätstrainings für Führende erfolgreich leiten. Seminarfahrplan

AutorAnna Dollinger, Katharina Fehse, Klaus Haasis.
VerlagmanagerSeminare
ISBN978-3-958-91047-8

Das Autorenteam hat viel Mühe und Sorgfalt darauf verwendet, einen 3-tägigen Seminarfahrplan so zu erstellen, dass er von Trainern umgesetzt werden kann, inklusiv Links zu digitalen Tools wie Apps, Abbildungen, Extra-Übungen und Angebote zum Runterladen von Vorlagen, die privat genutzt werden dürfen, sowie Formulierungs- und Darstellungsvorschlägen.

Abwechslung plus stark strukturiert
Didaktisch-methodisch wird viel Wert auf Abwechslung gelegt. Die drei Tage beginnen mit der Vorbereitung der Teilnehmer, wozu Vorbereitungsmaterialien dienen, die vom Trainer erstellt werden. Auch sie nutzen das, was am Seminar praktiziert wird: mediale Diversität, Modelle, Übungen, Kurzvorträge zu einem Thema, die zum Teil über die drei Tage verteilt werden, „Intros“ als Einführungen der Trainer in ein Thema bzw. in Übungen für Einzelne (Selbstreflexion) als auch für Kleingruppen, die unterschiedlich zusammengestellt werden. Die zeitliche Struktur der Seminartage erscheint so straff, dass unvorhergesehene Nachfragen und Diskussionswünsche schwer realisierbar erscheinen bzw. neben einer hervorragenden Vorbereitung der Teilnehmer und Vorkenntnisse eine strikte Moderation erfordern. Jeder Seminartag wird auf einer Seite in seiner zeitlichen und inhaltlichen Struktur dargestellt und dann abgearbeitet; die „Introvorschläge“ helfen dem Trainer, thematische Übergänge zu finden, und alle Übungen werden via Einführung, Anweisung und Abbildung umsetzungsbezogen dargestellt. Zudem sind Downloads als ideelle Vorlagen und als Veranschaulichung des Gemeinten hilfreich.

Vorlage – kapieren statt kopieren
Als Trainer ist es von Vorteil, sich von der zeitlichen und inhaltlichen Struktur vom Fahrplan insofern emanzipieren (im Jargon: sich flexibilisieren oder agil moderieren) zu können, als sie das Buch als Vorschlag nehmen und auf sowohl die eigene Kompetenz (Wissen, Erfahrung, Flexibilität bezüglich Input und Methodik) als auch auf die spezielle Klientel zuschneiden. Für letzteres geben die Autoren ebenfalls Material an die Hand: Neben den im Fahrplan enthaltenden Übungen bieten sie im zweiten Teil eine Sammlung weiterer Übungen an, die thematisch bezogen sind und aus denen Trainer wählen können. Seminarthema und -fahrplan verlangen Trainer, die Vorwissen und Erfahrung mitbringen. Dies gilt in Bezug auf die genannten Aspekte und besonders auf das inhaltliche Knowhow: Wissen im Themenbereich Komplexität, und zwar auch wissenschaftlicher Provenienz (im Buch eher wenig zu finden). Wissen und Erfahrung helfen nicht nur, um den wertvollen Vorschlag als Fundament für einen Seminarablauf und den „Baukasten“ aus dem zweiten Buchteil methodisch zielgruppenspezifisch nutzen zu können, sondern auch, die erläuternden Einführungen und Übergänge inhaltlich kritisch zu lesen und zu verwerten. Dies schließt die Prüfung ein, inwiefern sich welche Übung eignet, um „Komplexität“ nicht nur erfahrungs- und gefühlsbasiert zu erleben (darauf wird viel Wert gelegt), sondern auch kognitiv zu durchdringen – eingedenk des Umstandes, dass das Denken in Kategorien von Komplexität nötig ist, um souverän und konstruktiv Anforderungen von Komplexität begegnen zu können.

Wer kann – der Kant?!
Bei manchen Wendungen ist weniger plausibel, welchen Nutzen sie haben sollen. Etwa der Einstieg mit den klassischen Fragen von Immanuel Kant, die den Fahrplan samt Aufbau und Ziele begründen sollen. Da die Fragen des Philosophen allerdings eine völlig andere, nämlich ein philosophisches erkenntnistheoretisches Programm verfolgen und damit kategorial eine grundlegend andere Stellung und Funktion haben, als hier im Seminarfahrplan, leuchten Bezug und Trivialisierung weniger ein. Diese mehr oder weniger intellektualisierende Färbung haben andere Passagen ebenfalls, was dem Nutzen des Buches allerdings nicht schadet. Trainer erhalten eine nützliche Vorlage, die sie zudem motivieren mag, sich so kompetent zu machen, dass sie den Fahrplan nicht „eins zu eins“ umsetzen („müssen“), sondern – ganz im Geist der Autoren – anzupassen. Dies führen die Autoren übrigens selbst vor, indem sie bekannte Übungen und Modelle themenspezifisch übersetzen und so zeigen, dass auch in einem „Komplexitätstraining für Führende“ nicht alles Nützliche neu erfunden werden muss.

Regina Mahlmann