Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit.
| Autor | Anne Stern |
| Verlag | Rowohlt Polaris |
| ISBN | 978-3- 499-01341-6 |
„Die Hebamme von Berlin, Band 8 – Hulda Gold ist Hebamme, Spürnase, Seelentrösterin“ und vergisst gelegentlich ihre eigenen Herausforderungen – auf deutlich mehr als 400 Seiten.
Frauen, Juden, Kommunisten
…in (wieder) schwieriger werdender Situation kurz vor der Machtübernahme der Nazis, derlei steht im Fokus dieses Geschehens – und werden von Rechten besonders ins Visier genommen. Arme, Arbeiter und Behinderte auch noch dazu, dazu manche eben als Verbrecher gebrandmarkt… „Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien.“ Und die ihrer Freunde… Wobei die Autorin wohl durchaus bewusst auch Fehlverhalten „der anderen Seite“ ins Visier nimmt, was als objektive Sicht das brutale Verhalten der Rechten erst recht verdeutlicht… für die Leserschaft wird durch weitere Personen zudem klar(er), dass „konservativ“ eben etwas anderes dargestellt haben kann, siehe Huldas Ex-Vermieterin Wunderlich – oder auch ihre Fast-Schwiegereltern, Metas Großeltern, bedingt zumindest. Tendennz, die letztlich zum Überlegen führen (müssen), das Land evt. zu verlassen, und sei es hin nach Schweden (Max, S.184ff. etc.), zu Huldas Entsetzen…
Leider bedauerlich zeitgemäß
…sind viele der beschriebenen Geschehnisse, vor allem natürlich das extreme Aufkommen der Nazis – wie nun ja leider wieder heutzutage. Siehe etwa diese Headline in der SZ online vom 23.12.2025 „Nazis marschieren in der Münchner Schellingstraße auf“ – übel, übel… Bleibt zu hoffen, dass manch Hirn aufgrund der Lektüre dieses historischen Romans (Lokalkrimis…) a bissal wacher werde, soifz. Umso mehr dringend empfohlen! Inkl. sehr konkretem Erleben, wie sich die erneut anbahnende Wirtschaftskrise auf Einzelne auswirkt, auch Kleinunternehmer (S. 114f.). – und auch die zweideutige Rolle von „Christen“ ist beleuchtet (S. 146f.). Gotttseidank gibt´s darin auch manch Nettes zu entdecken, etwa die seinerzeitige neue Mode der Jojos (S. 26f. usw.) … Oder Kulturelles wie Opern-Aufführungen (S. 62f. etc.) und Buchhandlung (S. 224ff.). Das Nachwort S. 407ff. verdeutlicht Fiktion plus historisiche Fakten… HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
