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Ein unglücklicher Tod

Autor Peter Grainger
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-30120-5

„Ein Fall für DC Smith“ als spannungsreicher Einstieg in offenbar eine Serie auf mehr als 250 Seiten: Mir eigentlich zu dünn (ich bevorzuge 350 Seiten und gerne (noch) mehr) – doch gut lesbar dichte Handlung, die auf Aufblähen verzichtet, fein!

Mal ein durchaus teamfähiger Ermittler
…wenn auch mit einem sturen Kopf: „Nach einem internen Ermittlungsverfahren hätte man DC Smith bei der Polizei von Norfolk gern in Rente geschickt. Zu alt, zu eigensinnig, zu charakterstark befand man, doch Smith lebt für seinen Beruf und schert sich wenig darum, was seine Vorgesetzten gern hätten. Er bekommt einen Routinefall zugeteilt – der Unfalltod eines Siebzehnjährigen –, doch was sich da vor Smith eröffnet, ist nichts weniger als die Frage nach Recht oder Gerechtigkeit.“ Denn nach und nach schält sich eine üble Geschichte heraus, in früheren Jahren und andernorts gründend, die letztlich zum ungewollten Kollateralschaden geführt hat (S. 252ff. etc.)… Auf dem Weg dorthin „darf“ DC die eine oder andere Lehr-Stunde in Schulklassen absolvieren, Drogen & Co. betreffend – was er überraschend gut hinkriegt, wie auch sein neuer Protegé interessiert feststellt (S. 112 und drumherum), in dem er zudem den aussichtsreichen Nachwuchs auch seines früheren Partners erkennt. Waters erweist sich zudem als hilfreich in vielerlei Hinsicht über moderne Medien hinaus, weiß er doch als studierter Historiker überraschend viel etwa über den ehemaligen Ostblock, ohne aufs Internet zurück greifen zu müssen (S. 146f.), höchst relevant für den Fall. Andererseits hat er Weitbildungs-Bedarf bei Auto-Marken und bei Kinder-TV (S. 196), was ihm wiederum hülfe, manche Bemerkung seines „Paten“ leichter zu verstehen: Derlei lässt die Leserschaft schmunzeln, womit a bissal cosy ins crime kommt  … Fazit? Ein vergnüglich-unterhaltsamer Krimi zu einem arg zeitgemäßen ernsthaften Thema…

Erfolg im Selfpublishing
…hat nun dazu geführt, dass der Autor auch im klassischen Verlagswesen angekommen ist – bei Penguin Books im Original und nun deutsch bei Diogenes in der Schweiz, fein! Vom Schreibstil her hat mich dieser Krimi a bissal an Raymond Chandler und seinen Philipp Marlow erinnert – wenn auch elaborierter und mit anderer Rolle als dessen Charakter. Vielleicht auch ein Anklang an Sam Spade bei Dashiel Hammett?!Jedenfalls durchaus ernsthaft, anders als etwa die ausgemusterte Crew von Jackson Lamb (Slow Horses, bei Mick Herron), die trotz vielerlei Macken und Fehler letztlich Fälle gelöst kriegt, sehr zum Entsetzen der Vorgesetzten. (Deutsch gibt´s ähnliches ja im TV mit München Mord – leider künftig wohl entfallend, wegen des Todes des Schaller-Darstellers…). – Wer also mal einen etwas anderen Krimi lesen möchte, greife zu! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter