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Die Stunde der Stümper

AutorAndrew Keen
Verlagsonstige
Seiten247 Seiten
ISBN978-3-446-41566-9
Preis19,90

„Die erste Web 2.0-Kritik“ fokussiert der Verlag diese Übersetzung aus dem Amerikanischen, immerhin schon aus dem Jahr 2007 – und ich bin erst jetzt (2010) darauf gestoßen… „Wie wir im Internet unsere Kultur zerstören“, damit ist gemeint, dass durchaus Fragezeichen zu setzen sind, hinter das Wissen der Vielen, wie es sich etwa in Wikipedia niederschlägt – oder in diversen Social-Web-Portalen. Plakativ das „infinite monkey theorem“, mit der Aussage: Wenn nur genügend lange eine ausreichende Zahl von Affen einfach in Computertastaturen hauen, kommt irgendwann (rein zufällig) auch mal ein Böll- oder Goethe-Text dabei heraus. Der Vergleich mit der Gemeinde von Hunderten von Millionen Internet-Nutzern mag ein wenig bösartig erscheinen, doch begründet der Autor mit vielerlei Beispielen im Laufe dieses Buches seine Thesen. Die auch mit der Kostenlos-Mentalität zu tun hat, die sich zwischenzeitlich im Internet breit gemacht hat… So setzt sich Keen auch mit (Kevin) Kelly auseinander: Dieser Autor „vertritt die Ansicht, Schriftsteller würden in Zukunft nicht mehr durch den Verkauf von Büchern ihr Geld verdienen, sondern indem sie „ihre Auftritte, den Zugang zum Urheber, den persönlichen Zuschnitt des Werks auf den Kunden, zusätzliche Informationen, Sponsoring, Abonnements für regelmäßig erbrachte Leistungen, kurz gesagt all die vielen Werte verkaufen, die nicht kopierbar sind“. Dies ist das alte Geschäftsmodell, nach dem man einen Rasierer verschenkt, um die Klingen zu verkaufen. Das Buch ist nur noch ein Werbegeschenk, und der Schriftsteller soll sein Geld mit Beratungs- und Autogrammstunden oder öffentlichen Lesungen verdienen. Aber Bücher sind keine Rasierer, und Lesen hat mit Rasieren nichts gemein…“ (S.129f.) – Viel hat sich inzwischen getan – und tatsächlich wird der so genannte „Bürgerjournalismus“ immer mehr infrage gestellt und der Twitterismus mit Stirnrunzeln kommentiert, siehe „Wahrheit und Lügen“ bei Keen (S. 75ff.), wie aktuell Ende Juni bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten wieder erlebt… Auch heute noch sehr lesenswert – vielleicht weil nachprüfbar…

Hanspeter Reiter