Die Feuer von Prag
| Autor | Martin Becker / Tabea Soergel |
| Verlag | kanon |
| ISBN | 978-3-985-68151-8 |
„Kisch ermittelt“, nun sein zweiter Fall, nach „Die Wasser von Prag“, mit über 300 spannenden wie informativen Seiten.
Kurz vor dem Ersten Erdkrieg
…ist Kisch wieder zurück in Prag, nachdem er weiter östlich unterwegs war, in Dalmatien & Co. Schon zeichnet sich ab, dass Dramatisches geschehen werde… Im „Prag 1913. Kisch und der Weltenbrand… An einem kalten Frühlingsmorgen im Jahr 1913 steht der Fluss in Flammen. Ein Schiff treibt brennend über die Moldau und versetzt die Prager in Furcht und Schrecken. Eben noch feierte der ehrgeizige Oberst Redl, ein mit allen Wassern gewaschener k. u. k. Geheimdienstler, auf dem Schiff eine seiner Orgien. Als eines Nachts auch die Luft brennt, forcieren der Kriminalreporter Egon Erwin Kisch und seine Kollegin Lenka Weißbach ihre Ermittlungen. Welches Spiel treibt der rätselhafte Redl? Und was, wenn auch noch die Erde Feuer fängt? Martin Becker und Tabea Soergel nehmen den berühmtesten Spionagefall der k.u.k.-Monarchie als Ausgangspunkt einer packenden Kriminalgeschichte am Vorabend des Ersten Weltkriegs.“ Bei dem Kischs Begabung voll zur Geltung kommt, sich an Ambiente und Menschen unterschiedlichster Couleur anzupassen – und so Dialoge und Situationen zu steuern, meist jedenfalls (mit Redl als würdigem Counterpart, siehe etwa S. 50f. usw.). Auch die unterschiedlichen Expertisen der Protagonisten werden nachvollziehbar, siehe Lenkas medizinische, ins Psychoanalytische neigend (Gesprächs-Therapie S. 60f., 168 etc.), neben ihrem Hauptjob in der Redaktion, zusammen mit ihrem Ehemann Brodesser. Apropos, eine arrangierte Ehe – sie ist in einer sorgfältig zu verbergenden lesbischen Beziehung: Homosexualität ist in Prag auch zwischen Frauen strafbewehrt, anders als in Berlin, ihrer früheren Beziehung – dort „nur“ die zwischen Männern. Um die geht es denn auch im aktuellen Fall, wie sich nach und nach heraus schält, final dann S. 266f. Und sonst? Telefone sind noch neu (S. 91), Fußball kommt metaphorisch wie konkret ins Spiel (S. 127f. und am Ende, Kisch ehrgeizig wie auch im „Job“), steckt Alchemie hinter den Feuern, die nach und nach die vier Elemente zu betreffen scheinen (S. 217f. etc.).
Die Kisch-Reportagen
…mir endlich näher anzuschauen, hat mich dieser Band nun endgültig motiviert: Seit Jahren steht die Kassette mit einem vollen Dutzend Bänden im Buch-Regal, tststs… Dennoch freue ich mich (auch) darauf, dass hoffentlich ein dritter Band der Lokalkrimis rund um den berühmt-berüchtigten Reporter entstehen möge – in einem textlichen Duktus, der sehr an jene Zeit erinnert: So kommt das Sprachliche neben dem inhaltlichen Chrono-Kolorit trefflich zur Geltung, bestens formuliert von einem Autoren-Duo! Das im Nachwort S. 307ff. historisches Geschehen und fiktive Geschehnisse auseinander „klamüsert“ und so die Leserschaft noch näher an die Geschichte hinter den Geschichten heran führt, fein!
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