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Die Brandung: Blutfänger

Autor Karen Kliewer
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-26453-2

„Ein Ostsee-Krimi | Der 4. Fall für das außergewöhnliche Ermittler-Team aus dem hohen Norden“, nämlich Polizei (deutsch plus dänisch) und Archäologin, mit deutlich mehr als 350 Seiten.

Family first
…steht hier im Zentrum, in vielerlei Hinsicht – teils weit interpretiert: Natürlich jene von Fria, deren Vater plus Brüder eben bei der Polizei sind (ein weiterer ist Staatsanwalt): „Denn Blut ist dicker als Wasser… Im deutsch-dänischen Grenzgebiet ereignen sich rätselhafte Autounfälle mit Fahrerflucht. Jedes Mal werden in den Autos Babyschnuller gefunden, mit einem aufgemalten schwarzen Herz. Der neue Rechtsmediziner Mølgaard untersucht die Fälle – und zeigt zunehmend Interesse an Archäologin Fria Svensson. Mit ihr teilt er ein Schicksal: Beide haben als Kinder die Mutter verloren. Währenddessen hat Staatsanwalt Matthis Svensson die dänische Rocker-Gruppe MB28 im Visier. Dort steht eine Präsidentschaftswahl an. Noch immer weiß man nicht, warum Poul, der Freund von Frias WG-Mitbewohner, eine Kutte des verbrecherischen Clans versteckt hält. Als Poul plötzlich verschwindet, überredet Fria Kommissar Ohlsen, mit ihr zum Rockertreffen nach Dänemark zu fahren. Ein höchst gefährliches Unterfangen, doch Ohlsen lässt sich gegen alle Vernunft darauf ein … Zwei fatale Entscheidungen – drei Familien am Abgrund – eine gnadenlose Jagd.“ Dieses Mal völlig frei von archäologischen Aspekten, wofür die Autorin sich im Nachwort (S. 365ff.) wortreich entschuldigt, in dem sie zudem den Hintergrund zu den Ereignissen ergänzt (frei von Bezügen zum Roman-Geschehen).

Manches dänisch, manches deutsch
Ein wieder fein gestrickter Lokalkrimi also, der Grenz-überschreitende Bezüge herstellt und verarbeitet. Gespeist aus wechselnder Perspektive als Kapitel-Fokus (und auch deren Gedanken „zitierend“), teils auf unterschiedlichen Zeit-Ebenen, wenn auch rasch verknüpfend… Verändertes Verhalten in der Motorrad-Gang kommt wiederkehrend ins Spiel (S. 141ff. etc. pp.), dazu ein überraschendes Indiz bei Unfällen mit Fahrerflucht (S. 210f. usw., das letztlich tatsächlich die Lösung bringt), Frias Vorliebe für Lakritz poppt auf (S. 229) – und familiäres Geschehen vor langer Zeit holt sie ein (S. 309f. z.B.)… Ach ja, und Archäologisches wird dann doch zumindest angedeutet, geht es doch parallel um eine von ihr kuratierte Ausstellung und den Büro-Alltag dort. Dazu dann ihre Beziehungs-Themen, hin und her gerissen… Spannend und zugleich phasenweise fast meditative Impulse zur Selbst-Reflexion vermittelnd. HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter