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Die Bestie von Florenz

AutorDouglas Preston, Mario Spezi, und Katharina Volk
Verlagsonstige
Seiten420 Seiten
ISBN978-3-426-50436-9
Preis9,95

Mal was ganz Anderes: Krimi als Dokufiction. In zwei getrennten Teilen beschreibt das Autorenpaar (dennoch gemeinsam), was sie bei den Recherchen zu einer Mordserie in Italien erlebt haben: Der italienische Journalist Mario Spezi die Entwicklung über Jahrzehnte, wie er sie berichtend begleitet hat, während ein Mord auf den anderen folgte. Der amerikanische Journalist Douglas Preston sein Erleben, nach dem er (als Einwohner der betroffenen Ortschaft, mit Familie für einige Zeit dorthin gezogen) sozusagen mitten ins Geschehen gelangt war. Beide als Betroffene, denn irgendwann wurden sie selbst der (Mit-)Täterschaft bezichtigt und gerieten in die Mühlen der italienischen Justiz. Diese Art von Krimi kam für mich unerwartet – ich hatte einen „normalen Roman“ erwartet. War dann skeptisch – und überrascht, wie spannend  Dokufiction sein kann. Verarbeitet sind eigene Vermutungen, erzählt wird (manches Mal drastisch-realistisch), wie Mörder X (Nachfolger von Jack the Ripper und anderen Serientätern der modernen Weltgeschichte) auf immer die gleiche Weise ähnliche Paare mordete und schändete. Zugleich gewinnt Leser überraschende und ernüchternde Einblicke in die Justiz Italiens – obwohl, im Grunde wenig überraschend…

Siehe S. 284ff.: „Dietrologia … Das ist der einzige italienische Begriff, den Sie kennen müssen, um die Ermittlungen im Fall .. zu verstehen… Dietro – hinter. Logia – die Lehre von… Dietrologia ist die Vorstellung, dass das Offensichtliche nicht wahr sein kann. Es versteckt sich immer etwas dahinter… Neben dem Fußball ist Dietrologia der zweite Nationalsport in Italien…“

Siehe S. 358f.: „Fünf Tage sollten vergehen, bis Spezi erfuhr, weshalb man ihm plötzlich den Kontakt zu einem Rechtsanwalt verboten und ihn in Isolationshaft genommen hatte. Das übrige Italien erfuhr es am nächsten Morgen. Am Tag von Spezis Verhaftung hatte Staatsanwalt Mignini die Untersuchungsrichterin … gebeten, ein Gesetz heranzuziehen, das normalerweise nur auf gefährliche Terroristen und Mafiabosse angewandt wurde, die eine unmittelbare Bedrohung für den italienischen Staat darstellten…“ Wobei das wiederum als Anwendung ja schon von einem italienischen Chefpolitiker bestens bekannt ist, bis hin zur Kreation neuer Gesetze, um zu vermeiden, selbst gerichtlich belangt zu werden…

400 Seiten Spannung, Kopfschütteln – Kopfnicken und Andeutung von Erleichterung: Lektüre fürn Urlaub oder so…

Hanspeter Reiter