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Der Doktor und der liebe Mord

Autor Rene Anour
Verlag rororo
ISBN 978-3-499-01378-2

„Ein Tierarzt-Krimi“ ist im Grunde ein Cosy-crime mit annähernd 400 Seiten.

A bissal morbid wird’s schon
…doch dazwischen ist Severin primär fürs Tierwohl unterwegs: Wie die Kollegin Christiane in der TV-Serie „Nord bei Nordwest“ mangelt es der Hauptfigur am Doktor-Titel, der ihm von Gesprächspartnern allerdings regelmäßig „verliehen“ wird. Und er ist „dennoch“ exzellent in seinem Job – und geht für die Tiere weit über manche Grenze hinaus… Denn hierum geht es: „Tod & Tierarzt! Ein morbid-witziger Krimi mit jeder Menge tierischer Nebenfiguren – vom Riesenpferd mit Angststörung bis hin zum verräterischen Zwergohreulenküken. Oh nein. Wie kann man bitte aus Versehen zum Mörder werden? Aber genau das passiert dem schüchternen Tierarzt Severin Herr. Dabei wollte er seinen Chef nicht umbringen. Nicht wirklich, jedenfalls. Es war ein Unfall. Nur wird ihm das kein Mensch glauben. Denn sein Chef, allseits beliebter Medienstar und «Tierfreund der Nation», hat Spendengelder veruntreut und es Severin in die Schuhe geschoben. Jetzt muss Severin nicht nur den Mord vertuschen, sondern auch schnellstens an Geld kommen, um den zur Praxis gehörenden Gnadenhof zu retten. Von unerwarteter Seite kommt der Vorschlag, ins Auftragskillergeschäft einzusteigen. Ein sanfter Tierarzt als Mörder? Allein die Idee erscheint Severin absurd. Aber was tut man nicht alles für seine Tiere?“ Und so geht er voll ins Risiko – doch fürs Überleben braucht Herr Herr dann dringend Assistenz – nämlich von einem neuen Assistent, der eher als Bodyguard daher kommt…

Tierarzt mit Gnadenhof
…kann eine erfüllende Aufgabe sein, der Severin sich intensiv widmet: Etwa beim Heilen eines Riesen-Hengstes (S. 157f. usw.), Placebos inkl. (S. 286) und nutzt gar Nano-Roboter, die ihn an seine eigenen Fische im Aquarium erinnern. Überhaupt ist er moderner Wissenschaft gegenüber sehr aufgeschlossen, wovon auch die Leserschaft profitiert – siehe etwa das Thema Laborfleisch als visionäre Variante, Tiere zu schonen (S. 212f.). Nun, schließlich wird´s ziemlich heftig, dem Finale entgegen, als das Weichei (so die von der Putzfrau zur Partnerin mutierten Jedna) entdecken muss, dass manches doch anders ist als gedacht. Und so entwickelt der Tierarzt ungeahnte Fähigkeiten, sich selbst zu motivieren, etwa durch Affirmation (S. 117f. etc.). Fazit: Mit vielen Augenzwinkern eröffnet der Autor interessante Einblicke verschiedener Art – eben mit einem Krimi der etwas anderen Art.
HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter