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Denisova

Autor Silvana Condemi & Francois Savatier
Verlag C.H.Beck
ISBN 978-3-406-82697-9

„Die Entdeckung einer neuen Menschenart“ als gelungenes Sachbuch, wissenschaftlich fundiert und zugleich für Laien verständlich beschrieben, auf gut 250 Seiten.

Eine dritte Menschenart
…hat sich etabliert, neben Sapiens und Neanderthaler (plus Floriensis als Nebenart): „Eine sensationelle Entdeckung: Die neuen Verwandten von Neandertalern und Homo sapiens! Im Dezember 2010 erhielt die Menschheit ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk: Zum ersten Mal konnte nur mit Hilfe von DNA-Analysen der Beleg für die Existenz einer bislang unbekannten Population der Gattung Homo vorgelegt werden. Benannt wurde diese nach dem Fundort des Knöchelchens, das die Forscher auswerteten: der Denisova-Höhle in Sibirien. Diese wiederentdeckten Cousins der Menschen können als asiatische Pendants zu den Neandertalern gelten. Woher aber stammten die Denisovaner? Wie lange bevölkerten sie die weiten Gebiete Eurasiens? Und wie lässt es sich erklären, dass heutige Menschen in Asien teils noch bis zu 5 Prozent Denisova-Gene in sich tragen?“ Ähnlich wie beim eurasischen Sapiens Gene des Neanderthalers also (siehe dazu etwas Genflüsse als Grafik S. 74)! Mehrere Einwanderungswellen haben das ermöglicht (S. 83 usw.)… „Der vorliegende Band erzählt die spannende Geschichte von der Entdeckung der Denisova-Menschen, deren Erforschung gerade erst so richtig begonnen hat.“ Wer sich einliest, könnte faszinierend daran finden, wie ausgeklügelt die Forschung inzwischen aus durchaus sehr unterschiedlichen Perspektiven daran geht, Knochenfunde zu einem großen Ganzen so zu fügen, dass ein ziemlich umfassendes Bild einer etwas anderen Menschen-Art entstehen kann – Gehirn-Entwicklung z.B. inkl. (S 152f.). Hominine werden in den Blick genommen, Bezüge herstellend….

Rekonstruktion
…aus vielen Kleinteilen ist die Herausforderung bei derlei Forschung (Rolle gefundener Kiefer und Zähne bezüglich Ernährung S. 192f. etc.), verbunden mit modernen DNA-Analysen – kleinteilig und aufwändig, wie etwa eine Liste S. 44 belegt. Abbildungen gibt es auch dazu, siehe z.B. S. 58 Schädel, darauf fußend Unterschiede und Übereinstimmendes von N. und D. beleuchtend. Dass es möglich ist, daraus gar ein Phantombild zu erstellen („Vom paläontologischen Bild zum Stillleben“ erläutert das plastisch S. 234ff.), belegt das Autoren-Duo auf beeindruckende Weise: Wer dieses Buch liest, geht auf eine faszinierende Reise, chronologisch durch hunderttausende von Jahren, geografisch von Afrika nach Asien und weiter! Wobei eben das interdisziplinäre Zusammenspiel diverser Forschungs-Disziplinen erst dazu führt, nach und nach zu ziemlich belegbarem Schlussfolgerungen zu kommen. Was mich an meine Studienzeit als Linguist erinnert hat, vor allem was das Historisch-Vergleichende angeht: Bei Finnougristik kamen da Paläoontologie, Ethnologie (S. 121 Kulturelles usw.) und weitere Disziplinen hinzu – ähnlich auch hier, wobei naturgemäß Sprachbelege fehlen  … Eingeschobene Spezial-„Kapitel“ erläutern trefflich für unsereins Laien Vertiefendes, siehe etwa „H. erectus, ein zwei Millionen Jahre alter Afrikaner“ (S. 110f.), „Die Altersbestimmung in China“ (S. 207f. – denke ans Verschwinden relevanter Funde durch Bauern, die derlei „Drachenknochen“ zu obskuren Medizinen verarbeiteten, soifz…) oder „Vier Hauptkategorien von Werkzeugen“ (S. 138f. – siehe auch „Die Bambus-Hypothese“ S. 174ff.) etc. Voila, lesen – und überrascht wie fasziniert sein! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter