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Deja-vu

Autor Martin Walker
Verlag Diogenes
ISBN 978-3- 257-07334-8

„Der siebzehnte Fall für Bruno, Chef de police“ wieder auf spannend-unterhaltsamen wie informativ-nachdenklich machenden 400 Seiten.

Ist die Gnade später Geburt
…wirklich eine solche – oder holt „uns“ das eine oder andere Mal die Sünde früherer Generationen doch ein? Das mögen manche aus der Leserschaft sich fragen, bei diesem Geschehen… Nun, „Bruno erholt sich noch von einer Schussverletzung, als ein geheimnisvoller Fund sein Interesse weckt: Bei einem verfallenen Schlösschen wird ein Grab mit drei Skeletten entdeckt, offenbar aus dem Zweiten Weltkrieg. Ist es im idyllischen Saint-Denis zu Kriegsverbrechen gekommen? Bruno begibt sich auf Spurensuche in dunkle Zeiten, doch auch in der Gegenwart wird er dringend gebraucht: Internationale Besucher müssen mit Köstlichkeiten aus dem Périgord bewirtet werden, und die malerische Vézère schwillt zu einem reißenden Strom an, der ganz Saint-Denis in Gefahr bringt.“ Und dazu kommt ein weiterer Fall, der ihn mittendrin wieder mit seinen vielen anderen Kontakten eng zusammen führt, u.a. zum Militär, internationale Verwicklungen inkl., wie sie schon durch den Skelett-Fund angestoßen sind. Letztlich führt alles zusammen zu durchaus erleichternder Lösung – plus einem völlig erschöpften Bruno. Auf dem Weg dorthin gibt´s wieder eine Menge zu lernen (zumindest: zu erfahren), etwa über frühe(re) Besiedlung in der Region (39f.), frühes Hinweisen auf Putins Ukraine-Aggression (S. 114f.), persönliches Erinnern (von Bruno und generell) an früh in der Schule Erlerntes durch Kontext-Trigger (oh Hirn! S. 186), Literarisches zur Dordogne & Co. (mit Zitaten von Miller und Jefferson S. 212f., Verbindungen von F & USA), Kryptowährungen und Politik plus Geheimdienste (S. 251f. usw.), Musik als verbindendes und anregendes Element (u.a. S. 280 – in einer für Bruno typischen Reflexion) – und last not least Notfallpläne im Detail (S. 309f.), um nur meine Eselsohren zu benennen, die ich auch dieses Mal beichten muss, sorry…

Mit seinem 17. Fall
…hinkt Bruno ziemlich hinter seinem „Fast-Namensvetter“ Brunetti von Donna Leon her, der bereits bei 33 angelangt ist (und dessen Darsteller Uwe Kockisch ausgerechnet an Weihnachten 2025 mit 81 Jahren verstorben ist, während ich Bruno 17. lese – Koinzidenz?!) – doch Louise Pennys Gamache ist er dicht auf den Fersen, der bei 20 angelangt ist… Was diese drei in meinen Augen verbindet, ist einmal die Nähe zum lokalen Geschehen in der jeweiligen Rolle als Ermittler – und zum anderen (wenn auch mehr oder weniger übergreifend in der Verantwortung und stark vernetzt, Beziehungen pflegend. Tiere wiederum gibt´s nur bei Bruno und bei Gamache (Hunde, wenn auch mal als kaum identifizierbare Promenaden-Mischung – plus Pferde bei Bruno, die berühmte Ente bei Gamache) – eher Philosophisches bei Bruno und Brunetti (bei jenem allerdings nur im Buch wirklich erkennbar)… Ach ja, Brunetti und vor allem Gamache sind ausgesprochene Familien-Menschen, Bruno dagegen ist Einzelgänger mit gelegentlicher Verbindung zu einer (wechselnden) Frau – und hat seine Familie der etwas anderen Art: Sport, Interessen, Beruf… Und letztlich vor allem ein riesiges Netzwerk, wie und das sich auch in dieser Story zeigt… Voila, viel Vergnügen bei der Lektüre, plus auch hier: einordnende Infos über Frankreich (vor)gestern & heute! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter