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Das launische Gehirn

AutorLessie Sachs
Verlagaviva
ISBN978-3-932338-73-1

„Lyrik und Kurzprosa“ sind hier versammelt, u.a. o.g. Gedicht aus dem Nachlass. Für mich war der Titel Anlass, zu diesem Band zu greifen – Gehirn halt, als Basis für Erinnern, Gedächtnis, Lernen…

Leben und Wirken
…mit Lyrik und Zeitschriften-Beiträgen, teils auch gesammelt veröffentlicht, teils erstmals publiziert: „sMal voller Humor und Selbstironie, mal nachdenklich und melancholisch: Die Gedichte der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Lessie Sachs sind heute zu Unrecht nahezu in Vergessenheit geraten. 1896 in Breslau geboren, zog es Lessie (Valeska Luise) Sachs zur Aufnahme eines Kunststudiums in die damalige Kunstmetropole München. Während der sich überschlagenden Ereignisse der Novemberrevolution 1918/19 in Bayern engagierte sich Lessie Sachs politisch, trat in die KPD ein und beteiligte sich an der Münchner Räterepublik. Die Niederschlagung der Räterepublik führte zu ihrer Verhaftung, Verurteilung und jahrelanger Beobachtung. Nach einem Gefängnisaufenthalt wurde sie aus Bayern ausgewiesen. Ab 1930 veröffentlichte Lessie Sachs Gedichte und Kurzprosa in renommierten Zeitungen wie der Vossischen, dem Neuen Wiener Tagblatt und dem Simplicissimus. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zerstörte ihre Hoffnungen auf eine Karriere als Schriftstellerin in Deutschland. 1937 emigrierte sie mit ihrem Mann, dem Pianisten und Komponisten Josef Wagner, und ihrer Tochter Dorothee nach Amerika, wo sie 1942 starb.“

Das alles ist drin
… auf über 300 Seiten, inklusive einem umfangreichen Beitrag „Lessie Sachs – ein Lebensbild“ S.227ff., Abbildungen inklusive (etwa Scherenschnitten von ihr). Davor ein wahres Feuerwerk an gut 100 Gedichten – und sehr persönlichen Kurzgeschichten, ein wenig dem „New Journalism“ in den USA vorgreifend, über die sie im Übrigen auch berichtet (s.u. ab S. 182ff. „Ich sah in Amerika“ etc.). Teils sehr vergnüglich, zum Schmunzeln verführend – teils durchaus nachdenklich machend. Siehe etwa S. 154ff. „Keep smiling – Kleine Begebenheiten auf der Alltags-Straße“ – reißendes Strumpfband, weniger reizend empfunden, da mitten auf der Straße … Fröhlich ihre Wortspiel à la (S. 63) „Dilettanten“, sehr ernst etwa „Ein Buch gibt Antwort“ S. 125ff. Spät zusammen fassend publiziert ist vieles, eben nachgelassen: „Posthum veröffentlichte Wagner die „Tag- und Nachtgedichte“ von Lessie Sachs 1944 mit einem Geleitwort von Heinrich Mann in den USA. Mit diesem Band erscheinen zahlreiche ihrer Gedichte und Prosatexte erstmals in Buchform.“ Also ein Juwel in vielerlei Hinsicht! Auch als optische wie haptisches Erlebnis als schönes Buch, natürlich inklusive Lesebändchen … HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter