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Blut und Gold

AutorSnorri Kristjánsson
VerlagRowohlt Polaris
ISBN978-3-499-27430-5

„Historischer Roman“ untertitelt dieser sanfte Thriller – mit dem Rückseiten-Titel „Mit Finsternis in ihren Herzen“, oha. Sanft im Darstellen, durchaus Hardcore im Geschehen, zuende des ersten Jahrtausends, in Skandinavien…

Alles Wikinger
… die da agieren, mit Personen, die das Klischee sehr bespielen: Norweger halt, sich durchaus abgrenzend zu Schweden – und vielleicht auch Finnen? Immerhin klingt das im Namen der Hauptperson an, der Erzählerin nämlich… So schaut´s aus: „Skandinavien, im Sommer 970: Beklommen wartet die junge Ziehtochter Helga Finnsdottir auf die leiblichen Kinder des Wikingers Unnthor Reginsson – einst ein furchterregender Krieger. Nun ist er geachteter Häuptling der umliegenden Täler und hat seine Nachkommen zu einer Familienzusammenkunft auf Gut Flussfeste gerufen. Voller Neid, Missgunst und Hass erreichen Karl, Bjorn, Aslak und Jorunn den elterlichen Hof.“ Denn „Während seiner Seefahrerjahre habe Unnthor einen sagenhaften Schatz angehäuft, glauben auch seine Kinder. Bald brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Jeder der vier will den verborgenen Reichtum an sich reißen. Dann geschieht ein Mord. Alle wissen: Es kann nur einer von ihnen gewesen sein. Heimlich macht sich Helga auf die Suche…“ Doch dann – noch ein Mord! Im Wechselspiel mit ihrer (Pflege-/Zieh-)Mutter tastet Helga sich an die Lösung heran, im Denken und Tun offenbar absolut Wikinger-like …

Vielseitig
… waren sie dann wohl doch, gab es doch immerhin Brettspiele wie Tafl, das (zumindest hier in dieser Geschichte) die Frauen besser beherrschen als die Männer (S. 106ff. etc.). Apropos – letztlich sind es doch die Frauen, die herrschen (siehe z.B. S. 300f.). Wenn auch ihre Männer scheinbar das Sagen haben – nach außen jedenfalls .. Empathie, Fragen, Schweigen: Das sind die, wie „Waffen“ der Frauen, Kommunikation halt, höchst manipulativ in manchen Phasen – statt des Einsatzes körperlicher Gewalt = vonseiten der Männer… Offen gelegt im Denken von Helga – und ihrem Tun, siehe etwa S. 210f. Sie ist „eine unerschrockene junge Frau – der Reihenauftakt um die kluge Wikingerin Helga Finnsdottir“: Leser darf gespannt sein, Fortsetzung folgt! HPR

Hanspeter Reiter