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Auf dem Weg zum Tier

Autor Bernd Hüppauf
Verlag transcript
ISBN 978-3-8376-4275-9

„Tiere und Tierbilder von der frühen Neuzeit zur ökologischen Krise (Human-Animal Studies)“ untersucht das Verhältnis von Mensch und Tier durch die Jahrhunderte (resp. Jahrtauende!) bis in die Gegenwart auf 350 informativen Seiten.

Was zum Essen
…oder doch ein Lebewesen, gar mit Bewusstsein? Der Autor identifiziert veränderte Betrachtungsweisen im Laufe der letzten ca. vier Jahrhunderte: „Nachdem das wissenschaftliche Zeitalter im 17. Jahrhundert zu einem Bruch mit der etwa 30.000-jährigen Geschichte der Repräsentation des Tiers geführt hatte, erlebt das Tierbild gegenwärtig erneut einen radikalen Umbruch. Einerseits werden erstaunliche Fähigkeiten entdeckt: denkende Raben und spielende Kraken. Ein zentraler Begriff hierbei ist Agency: Kann das Tier Subjekt sein und aktiv in die menschliche Gesellschaft eingreifen? Mit dem neuen Bild wächst das Bedürfnis nach emotionaler Nähe. Andererseits setzt sich der Anspruch der absoluten Macht des Menschen über das Leben der Tiere fort: Tiere werden geklont und die synthetische Biologie arbeitet am Tier aus der Retorte. Bernd Hüppauf geht diesem Schisma zwischen dem Eingriff in die Evolution und einer Einstellung zum Tier, die Subjektivität postuliert und Tierrechte fordert, nach und beleuchtet die heterogenen Tierbilder von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart der ökologischen Krise.“ Wobei „Bilder“ eher metaphorisch zu verstehen ist, wie auch der geringe Beitrag von Visuellem verdeutlicht (außer seltenen Beispielen wie Höhlenmalerei S. 34) – also eher im Sinne von „Welches Bild macht (sich) der Mensch vom Tier?“.

Mensch betrachtet Tier
Nun, derlei ist in Comics zu beobachten, wie die Ausstellung „Ich, das Tier“ im Jahr 2025 (bis ins Frühjahr 2026 hinein) in der Grimmwelt in Kassel deutlich machte. Hier geht es um generellen Umgang von Mensch mit Tier, wie ein Blick in die großen Überschriften der sechs Teile belegen: Auf die Einleitung folgt Das Tier der Neuzeit: Rationalisierung und ihre Gegner – dann Reflexive Moderne, Das Tier der Postmoderne zwischen Wissenschaft und Verstehen, Nach der Postmoderne – schließlich das Nachwort: Sorge (um und für…). Darin u.a. vier Epochen (absolutistische Gaben-Ökonomie, Politik, Ware, Objekt – S. 148ff., zwei zur selben Zeit (Mensch als Tier und Nicht-Tier S. 189), linguistic und iconic turn (S. 176.), Kommunikation zwischen Mensch und Tier statt „Sprache“ (208ff.), Wirkung von KI aufs Verhältnis (u.a. S. 246f.), drei Bedingungen für agency (planvolle Wiederholung, Situations-Bewertung, Voraussicht – S. 291), haben Tiere Anrecht auf Sorge (S. 321f.): Voila, ein weites Feld, anregend zur Reflexion, sehr zu empfehlen… HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter