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A Room of One´s Own

Autor Virginia Woolf
Verlag reclam
ISBN 978-3-15-019993-0

(englisch)
Von Agatha Cristie ist bekannt, dass ihr zum Schreiben ein Tisch und Stuhl (sie schrieb meist in Zügen) genügte. Virginia Woolf indes plädiert. eine literarisch schreibende Frau müsse über ein eigenes Zimmer verfügen. Wer sie im englischsprachigen Original liest (mit Vokabelhilfen auf jeder Seite) wird die Eleganz von Sprache und Argumentation besonders genießen können. Sie führt ihr Plädoyer anhand eines Vortrages (Essays) von 1929 Schritt für Schritt aus – und dies durchaus überzeugend, aus eigenem Erleben, zahlreiche Beispielen anderer Autorinnen/Lebenläufe, Fiktion und Realität, Alltag und Literarisches, auch international, verbindend. Sie argumentiert und illustriert im Interesse von Frauen ihrer Zeit und ihres Milieus. Das eigene Zimmer meint sowohl reine Lokalität, in der eine Schriftstellerin allein und ungestört von Personen und Ansinnen an sie (als Gattin, Mutter, Hausfrau/ Haushalt Führende) als auch Symbol oder Chiffre für geistige, psychische und – bestmöglich -materielle Selbstständigkeit. Es steht für eine Unabhängigkeit, die es einer Frau ermöglicht, sich auf ihr Thema zu konzentrieren und in Ruhe literarisch zu arbeiten. Zahlreiche ihrer Argumente werden bis in die Gegenwart wiederholt, ausladend modernisiert bereichert und die Autorin in Richtung einer feministischen Avantgarde gedeutet (wiewohl es bereits im 19. Jahrhundert Frauenliteratur gab, die im Gegenwartsbewusstsein des sogenannten feministischen Kampfes weniger einschlägig rezipiert wird).

Das Nachwort formuliert diesen Geist expressiv und mag in gewissen Passagen überzogen wirken, sowohl in Bezug auf Motivation und Intention Virgina Woolfs als auch bezüglich der vermeintlich noch immer nötigen Kämpferinnen-Haltung für feministische Anliegen. Doch das ist „Einstellungssache“ – und schmälert den Genuss der Eloquenz und des sprachlichen Charmes Virgina Woolfs keinesfalls. Und jede Leserin wird sich ihre eigenen Gedanken zur Aktualität der Argumente und dem Stellenwert Virginia Woolfs in der Geschichte weiblicher Emanzipation machen. In jedem Fall bereitet der inzwischen fast einhundert Jahre alte Essay pures Lesevergnügen…
www.gabal.de www.dr-mahlmann.de

Regina Mahlmann