Die Geister von Beelitz
| Autor | Susanne Goga |
| Verlag | dtv |
| ISBN | 978-3-423-22163-4 |
Wieder einmal „Ein Fall für Leo Wechsler“, der zehnte inzwischen, mit annähernd 350 spannenden und zugleich informativen Seiten.
Schon im Vorfeld der Nazi-Terror-Herrschaft
…gab´s bedrohliche Tendenzen in der Medizin (S. 226f. usw.), etwa rund um die in jenen Zeiten grassierende Tbc – nach heutigen Maßstäben wohl durchaus eine Pandemie… Das deutet sich jedenfalls recht bald an, in dieser Geschichte: „Ein elegantes Sanatorium, eine tödliche Krankheit, ein lautloser Mörder… Berlin/Brandenburg 1929: In den idyllisch gelegenen Lungenheilstätten Beelitz sollen sich die vielen Tuberkulosekranken aus der nahen Großstadt erholen. Doch mysteriöserweise verschwinden aus diesen Heilstätten immer wieder Patienten“ und zwar lt. Legende und Gerüchten durch Geister auf dem Gelände, nun ja… „und so beschließt Leo Wechsler, sich dort selbst umzusehen. Ein gefährlicher Auftrag, denn in den labyrinthischen Gängen ist nicht nur ein erbarmungsloser Mörder unterwegs, auch die hoch ansteckende Tuberkulose ist ein gefährlicher Gegner…“ Über damalige Behandlung der Massen-Krankheit (auch infolge von Unter- oder schlechter Ernährung) ist einiges zu erfahren, so zur „Blauen Flasche“ für den Auswurf (S. 34 etc. pp.) – oder über nützliche Recherchen in alten Zeiten frei von Internet, dafür mithilfe von Lexika (S. 85), fein! Schön, wie die Autorin Augen zwinkernd die Verbindung zu Thomas Mann herstellt, alldieweil Leo phasenweise im „Zauberberg“ liest (etwa S. 153f.) – oder zumindest blättert, der wenige Jahre vorm erzählten Geschehen erschienen war: Seitenblicke auf hohe Literatur sei gestattet …Eingeschobene Kapitel in Kursiv bringen der Leserschaft die Perspektive des Täters nahe (z.B. S. 105f.), durchaus „lehrreich“! – Auch dieses Mal ist also viel zu erfahren über eine Zeit, die kaum jemand aus der Leserschaft persönlich erlebt haben dürfte, immerhin bald ein Jahrhundert her: Das finde ich besonders interessant an derlei Thrillern, die gelungen als Kombi aus Lokal-Krimi und Wissenschafts-Roman daher kommen! Und bestens recherchiert sind, wie das Nachwort der Autorin belegt (S. 331ff.)… Wer diese Story als erste der Reihe liest, lasse sich durchaus anregen, auch auf früher erschienene zurück zu greifen! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
