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Geniestreiche aus Kassel

Autor Mark Fehr
Verlag FAZ Buch
ISBN 978-3-96251-211-8

Wer diesen „Geniestreich“ aus der Reihe Frankfurter Allgemeine Buch (auch zu Frankfurt, Wiesbaden, Mainz) liest, wird bereits beim Lesen den unmittelbaren Impuls verspüren, sich ein Bahnticket nach Kassel zu kaufen und mindestens einen Tag für den Aufenthalt vorsehen. Mark Fehr, Finanz- und Wirtschaftsjournalist seit 2019 Redakteur in der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gelingt es bereits in der Einleitung, die den Leser am Bahnhof abholt, eine Neugier zu wecken, die zur weiteren Lektüre geradezu nötigt. Die Tour durch die „Herkulesmetropole“ beginnt den Rundgang am Bahnhof, von wo aus der Stadtführer den Leser auf dem ausgiebigen Spaziergang Station für Station mitnimmt, erste wesentliche Besonderheiten kurz vorstellt und am Schluss nochmals knapp zusammenfasst.
In den Folgekapiteln werden Pioniere aus Wirtschaft, Wissenschaft (v.a. herstellende), Kultur, und Kunst sowie Politik einzeln und ausführlich vorgestellt, informativ und humorvoll mit subjektiven Konnotationen zugleich. So staunt der Leser über Personen, Gebäude, Skulpturen und Institutionen wie Museen, Theater, Oper bis hin zur documenta, über deren Entstehungsgeschichte, Wandlungen, Entwicklungsdynamik und lernt jene historischen Premieren und Alleinstellungsmerkmale kennen, die Kassel zu einer bedeutenden und sehenswürdigen Stadt ausmachen. Die in Sympathie und Lächeln eingewobenen Schilderungen kreisen um Personen. Als Unterstützer oder Impulsgeber, als materielle bzw. Möglichkeiten eröffnende Fürsten und weitere Ermöglicher oder als entscheidende Akteure, Pioniere auf jede eigene Art, beeindrucken besonders jene Lebensläufe, die Brüche, auch leidvolle, durchleben und sich als Stehaufmännchen erweisen.
Auf beiden für innovative Leistung ermöglichenden Seiten manifestiert sich Neugier, engagiertes Wollen, Mut zum Neuen und zum Scheitern, Durchhaltevermögen. Die Schilderungen zu zentralen Personen beeindrucken, weil sie zeigen, dass neben persönlichem Ehrgeiz, Disziplin, kreativem sich heraus Arbeiten aus scheinbaren desolaten Lebensstationen, aus Rückschlägen im Erfindungs- und Anwendungsprozess, aus biographischen Katastrophen auch persönliche Begegnungen, Unterstützer, Förderer nötig sind, um bahnbrechende (heute disruptiv genannt) Entwicklungen auszulösen, die im Wortsinn nachhaltige Wirkung zeitigen. Zufall und Notwendigkeit amalgamieren. Es wird manche Leser geben, die sich durch diese Passagen anregen lassen zu Reflexionen, die über das Buch hinausgehen. Mit diesem Führer durch die Geniestreiche in den Händen wird jeder Halt in Kassel ein besonderes Erlebnis. Rez. von Dr. Regina Mahlmann www.dr-mahlmann.de, www.gabal.de
PS von Hanspeter Reiter: Dass der Nachrichten-Agentur-Gründer Reuters aus Kassel stammt, war mir ein Aha-Erlebnis, inkl. der Story natürlich. Interessiert hat mich naturgemäß Bode als Initiator der documenta, die ich mir voriges Mal gespart habe, aus Gründen… Und evt. kommendes Jahr doch mal wieder gönnen werde, schau mer mal  … Eigentlich stünde ein Kassel-Besuch auch dieses Jahr an (nach der Grimmwelt voriges Jahr), doch der Interessierten aus dem früheren Dürkheimer Kreis hatten doch keine Lust, das Angebot der Kasseler Kollegin wahrzunehmen – oder sie selbst mochte / konnte nicht… Und dann noch die Anekdote rundum Kasseler/Kasselaner/Kasseläner: Hat mich an ein anderes Netzwerk-Treffen erinnert, GABAL-Symposium vor langen Jahren, erzählt von einem Mitglied… Voila, sehr zu empfehlen!

Regina Mahlmann