Giftiger Grund
| Autor | Thomas Knüwer |
| Verlag | Droemer |
| ISBN | 978-3-426-56846-0 |
„Fesselnd und aufwühlend: der ungewöhnlichste Krimi der Saison!“ hält, was dieser Satz verspricht, wow! Spannend wie zur Reflexion anregend, mit weit über 300 Seiten.
Lost places
…nimmt Charu in den Blick, die im Zentrum dieses Geschehens steht, als Urbexerin, daher auch der Titel, denke ich, so mehrdeutig er sich auch erweist = fast metaphorisch u.a.: „…drei [einander] Fremde, die mitten in der Nacht an einer verlassenen Tankstelle aufeinander treffen – und eine Leiche finden. Ein ungewöhnlicher Kriminalroman ohne Ermittler – Gänsehaut garantiert, nichts für schwache Nerven! Für Joran, frisch aus dem Jugendknast entlassen, werden die ersten Tage in Freiheit zum Desaster: Sein Vater erpresst ihn und auf Jobsuche wird er erniedrigt und schikaniert. Verzweifelt schleicht er schließlich nachts zu der Tankstelle, die er vor sieben Jahren überfallen hat. Seine letzte Hoffnung ist die Beute, die er vor seiner Festnahme in einem Kanalschacht verstecken konnte. Die Tankstelle ist längst verlassen – ein Lost Place – doch statt der Beute findet Joran im Schacht eine Leiche: Aras, sein damaliger Freund und Komplize. Ist der Dritte im Bunde sein Mörder? Entsetzt merkt Joran, dass er nicht allein ist auf dem heruntergekommenen Gelände. Da ist Edda, ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Und Charu, die sich als Fotografin von Lost Places einen Namen machen will. Der Tote im Schacht wird für alle drei zu einer schicksalhaften Verbindung.Ein außergewöhnlicher Krimi, der zwischenmenschliche Abgründe auslotet. Der psychologisch vielschichtige Kriminalroman führt tief in die deutsche Provinz – dorthin, wo niemand mehr so genau hinschauen will. Hochspannend, erschütternd und absolut süchtig machend!“ Die Perspektiven der Ich-Erzähler wechseln zwischen den drei genannten Personen hin und her, was natürlich auch unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe Situation ergibt, das Miterleben der Leserschaft erweiternd, den je eigenen Blick darauf quasi schärfend. Denn jeder der drei hat mit einem eigenen Problem zu kämpfen, tatsächlich gegen Menschen…
Drei junge Menschen, die ihr Leben in den Griff bekommen möchten.
Interessant ist etwa, wie die Bloggerin Charu mit Equipment und Situation umgeht (etwa S. 20f., 74ff.) – oder Joran höchst unterschiedlich agiert, sei es unterwürfig gegenüber seinem alten Kumpel oder unsicher mit Charu und Edda, sehr professionell dagegen als Koch, seinem in der JVA erlernten Metier (S. 124f. z.B.). Sehr zeitgemäß die eigeschobenen Nachrichten-Protokolle zwischen Charu und Followern (S. 142ff. etc.), deren Identität sie ersten klären muss: Wer davon ist wirklich Edda? Und was ist mit ihr, was läuft da ab (siehe z.B. Joran S. 196f.)? Wie kann er einen Job bekommen und zugleich die Jahre in der JVA verschweigen (S. 228f., KI-Hilfe inkl.)? Abschließend scheint es zu einem Happy-ending zu kommen, trotz letztlich dreier Tötungs-Delikte, wenn auch mit Einschränkungen, die wie ein Cliffhanger daher kommen: Soll da was folgen? Spannend, nachdenklich machend, junge Menschen verschiedener Altersstufen porträtierend – fast „comic-of-age“, so gesehen als Lektüre für (ältere) Youngster geeignet… HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
