Die Bestie von Dresden
| Autor | Frank Goldammer |
| Verlag | dtv |
| ISBN | 978-3-423-26459-4 |
„Der brandgefährliche 3. Fall für Gustav Heller von der Königlich Sächsischen Polizei in Dresden“ ist ein informativer wie spannender historischer Krimi mehr als 350 Seiten.
Recht doppeldeutig
…kommt dieser Buch-Titel daher, diese parallelen Handlungen pointierend: „Eine Stadt im Ausnahmezustand: Der sonnige Mai 1883 wird für die Dresdner zum Schreckensmonat: Aus dem Zoologischen Garten soll ein Tiger ausgebrochen sein und die Stadt unsicher machen. Zeitgleich treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es offenbar auf die Söhne und Töchter reicher Bürger abgesehen hat. Ein äußerst heikler Fall für Kriminalrat Gustav Heller und seinen Assistenten Schrumm. Als ihr Verdacht auf einen Ex-Zuchthäusler fällt, werden sie sofort von dessen ehrgeizigem Anwalt unter Druck gesetzt. Zu Hellers großem Ärger mischt sich auch der vom Zoo wegen des Tigers um Hilfe gebetene Wildtierexperte namens Karl May immer mehr in die Polizeiarbeit ein. Während das Raubtier noch frei herumläuft, geschieht ein weiterer Mord an einer jungen Frau …“ Und eingewoben ist die Figur von Karl May, der schon früh auftreten darf (S. 14f., 123f. usw. usf.) – und das in ebenfalls rasch erkennbarer Hochstapler-Rolle, soviel sei verraten: Eine feine Idee, exzellent zur Handlung passend und manch Leser zum Schmunzeln veranlassend, noch dazu – im Wonnemonat Mai (Vielleicht gar vom Verleger des Karl-May-Verlags bestellt, der just zurzeit meiner Lektüre im Frühjahr 2026 begonnen hat, einen Nachfolger durch Verkauf zu finden?! Scherz….)
Rollen-Verhalten im 19. Jahrhundert
Im Verlauf geht es um Empathie unter Kollegen wie gegenüber Angehörigen von Mordopfern (etwa S. 34f.) und dem hilfreichen Zusammenspiel von Vorgesetztem und Mitarbeiter – wie auch im familiären Umfeld, was dem Kriminalrat ebenfalls arg schwer fällt (S. 64f. etc.), durchaus zeitgemäß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts – übrigens auch in seinem Verhalten gegen seine eigenen Vorgesetzten, das wiederum weniger zeitgemäß. Apropos, dass vor bald anderthalb Jahrhunderten die Ermittlungs-Methoden noch völlig andere waren und ein wenig mehr Grips erforderlich war gegenüber heutiger Technik (S. 170f. usw.), macht derlei Lektüre durchaus erfreulich. Wie auch damalige Lebens-Umstände, die man sich durchaus vor Augen führen darf, die „rasende“ Eisenbahn etwa (S. 140f.). Ob seinerzeit Hinz und Kunz schon Gedanken um Resozialisierung gemacht haben mögen (S. 230f.) – und Medien in ihrer vielleicht überraschenden Vielfalt diesseits digitaler Überfülle tatsächlich so kontrovers beigetragen haben (S. 282f. etc.)? Nach vielem Hin und Her ist die Lösung dann ziemlich überraschend (S. 344ff., wirklich abschließend lesen!), fein gestrickt! Viel Vergnügen wünscht schon mal HPR, zugleich an die Fälle mit dem Enkel erinnernd … www.dialogprofi.de www.gabal.de
