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Psychologie der Inkonsequenz

Autor Oliver Hoffmann
Verlag Haufe
Seiten 191
ISBN 978-3-648-19573-4
Preis 29,99

Sich selbst besser steuern lernen dank der Psychologie der Verbindlichkeit

Wie oft habe ich mich im Leben schon gefragt, wenn ich Zusagen von anderen bekommen habe: Waren sie kalkuliert? Oder spontan, aus dem Affekt, gesprochen? Wenn ich eines gelernt habe, dann, dass das „Ja“ immer der Beziehung dient, aber nicht unbedingt der langfristigen Verbindlichkeit…

Wenn wir über unsere eigene Inkonsequenz nachdenken, greifen wir häufig zu moralischen Erklärungen. „Ich bin einfach zu undiszipliniert.“ Oder: „Ich bin nicht willensstark genug.“ Doch diese Aussagen umgehen das Wesentliche, sie treffen nicht den Kern. Was wir als Schwäche interpretieren, ist in Wahrheit das Ergebnis unserer persönlichen Denkarchitektur, weiß ich jetzt. Und diese ist nicht für die dauerhafte Selbstoptimierung gebaut. Unsere Wahrnehmung ist eine Konstruktion. Sie ist das Resultat von Selektionsmechanismen, die Komplexität reduzieren müssen, damit wir überhaupt handlungsfähig bleiben… Lesen Sie selbst, wie ein fast ironisches Ergebnis entsteht: Wir wissen, was wir wollen – aber wir folgen dem, was wir fühlen.

Wie alt müssen wir werden, bis wir ausreichend Menschenkenntnis besitzen, um einschätzen zu können, ob wir ehrliche und aufrichtige Zusagen bekommen? Die gute Nachricht ist: Wir brauchen nicht auf ein bestimmtes Alter zu warten. Mit dem Buch „Psychologie der Inkonsequenz“ gibt Oliver Hoffmann mir – und allen anderen auf dieser Welt – die lang ersehnte Antwort auf das Wesen und die Hintergründe von Inkonsequenz. Denn: Konsequenz lässt sich trainieren.

Warum werden so viele Versprechen nicht gehalten? Und das, obwohl wir alle sie immer wieder geben, als Hoffnungsschimmer für eine gemeinsame Zukunft, als soziale Anzahlung für eine Gemeinschaft, in die wir noch hineinwachsen wollen. Oliver Hoffmann lehrt uns, dass Versprechen in zwischenmenschlichen Beziehungen das Äquivalent zu Verträgen im Wirtschaftsleben sind: symbolische Sicherheiten in einer unsicheren Welt mit ungewisser Zukunft. Versprechen signalisieren uns, womit wir rechnen dürfen. Sie kommen mit einer hohen psychologischen Dichte daher, dass sie über das gesprochene Wort hinausgehen und vielmehr beschreiben, wer wir für jemanden sein wollen. Genau das macht das Versprechen so fragil, denn es setzt die emotionale Distanz zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll, voraus.

Dieses Buch ist ein prägnantes Erklärwerk, das die Natur der Verlässlichkeit durchdringt und unsere Vermeidungsstrategien, unseren eigenen Konflikten und den Konflikten in der Welt aus dem Weg zu gehen, eindeutig beschreibt und gleichzeitig menschlich auf den Punkt bringt. Wir dürfen lernen, dass Selbstkontrolle weniger eine kognitive Leistung ist, als vielmehr eine energetische.

Und das Wichtigste: Wir erhalten mit diesem Buch umfangreiche Methoden und Bausteine, mit deren Hilfe es uns leichter fallen wird, konsequent zu sein; und aus dieser Konsequenz wiederum mehr Achtung vor uns selbst gewinnen. Als Beispiel können uns Routinen helfen, die Vielzahl an täglichen Entscheidungen zu reduzieren, um uns auf die wirklich wesentlichen Entscheidungen fokussieren zu können. Wir lernen, wie wir Willenskraft nicht nur einmal hervorrufen, sondern regenerieren können.

Oliver Hoffmann macht verständlich, was so vielschichtig wie das Leben selbst ist. Er findet klare Worte und setzt Gegensätze unseres Denkens und Handelns ins Verhältnis, so dass wir nicht nur unsere Mitmenschen besser verstehen lernen, sondern auch uns selbst. Als Fazit bedeutet Konsequenz, Verhalten so zu gestalten, dass es leicht bleibt, selbst es schwer wird. Hoffmann zeigt uns die Kunst, das Richtige selbstverständlich zu machen.

Miriam Engel