Schattennummer
| Autor | Thomas Pynchon |
| Verlag | Rowohlt |
| ISBN | 978-3-499-00822-2 |
informativen Einblicken in historisches Geschehen auf 400 Seiten.
Spione & Co.
…treffen aufeinander, in unterschiedlichen Szenarien, die „dennoch“ eng miteinander verknüpft scheinen – nämlich zunächst in „Milwaukee, 1932: Amerika steckt in der Großen Depression, die Aufhebung der Prohibition steht kurz bevor, Al Capone sitzt im Knast. Hicks McTaggart, Privatdetektiv, nimmt einen Routinejob an: Er soll die ausgebüxte Erbin eines Käse-Fabrikanten ausfindig machen und nach Hause bringen. Doch unversehens findet er sich auf einem Ozeandampfer wieder und landet schließlich fern jedem Seehafen in Ungarn, wo eine Sprache wie von einem anderen Stern gesprochen wird und es genug Backwaren gibt, um einen Detektiv bis ans Lebensende zu versorgen, aber jede Spur von der flüchtigen Erbin fehlt. Als Hicks sie endlich gefunden hat, steckt er bis zum Hals in Verwicklungen mit Nazis [mit Hitler & Co., auch in den USA, etwa S. 91f. usw.], sowjetischen Agenten, britischen Gegenspionen, Swing-Musikern und Liebhabern paranormaler Praktiken [Apportisten, siehe z.B. S. 219f. – plus Persönlichkeit von Gegenständen S. 61f.]. Der einzige Hoffnungsschimmer am Horizont: Es kündigt sich die große Zeit der Big Bands an, und zufällig ist Hicks ein ziemlich guter Tänzer. Ob das ausreicht, um im Lindy-Hop-Schritt nach Milwaukee und in die normale Welt zurückzukehren, die es vielleicht gar nicht mehr gibt, steht auf einem anderen Blatt.“ Manch naives Verhalten (primär des Protagonisten im Fokus, nämlich Hicks) lässt schmunzeln oder auch die Augenbrauen hochziehen – doch eben das braucht´s, um die weiteren Geschehnisse so geschehen zu lassen, wie sie´s tun… Mancherlei Zeitgenössisches wird aufgearbeitet, etwa der Blick auf Radioaktives (S. 114f.) und vielerlei Songs (S. 175f. etc.) – und „natürlich“ latenter wie offensichtlicher Antisemitismus, eben in den USA und Osteuropa, D ergänzend, soifz (S. 280f:, 302f. usw.). Schließlich Nazis vs. Bolschwiken, natürlich die (noch neue) Sowjetunion beleuchtend (S. 348 z.B.).
Tonality & Style
…dieses Autors hatte ich irgendwie „anders“ in Erinnerung, ernster und literarischer – doch das mag an der langen Zeit liegen, seitdem sein voriger Roman erschienen war. Jedenfalls fühlte ich mich mehr an klassische Thriller erinnert, auch wegen der vielen Dialoge… Wie auch immer, liest sich unterhaltsam wie neugierig machend, auch aufgrund der historischen Aspekte, die eingearbeitet sind: Bis hin zu einer Art Obsession für frühe Versionen des Tragschraubers und Flügen damit, der erst wenige Jahre vorher erfunden worden war – als Luftschrauber allerdings bereits ein halbes Jahrtausend früher von Leonardo skizziert. Und wer a bissal verwegen Ausschau hält, mag sich gar an Szenen aus Inferno erinnert fühlen, dem ersten Teil von Dante Alighieris Göttlicher Komödie, nochmals zwei Jahrhunderte früher … Ran an die Lektüre also, für eigenes Schwelgen in mehr oder weniger nostalgischer Lektüre, dazu in einem sehr wertigen Hardcover, Leseband inkl.! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
