Die fünf Säulen der Selbstorganisation
Autor | Bernhard Eickenberg |
Verlag | Haufe |
Seiten | 211 |
ISBN | 978-3-648-18325-0 |
Den Unternehmenserfolg durch mehr Freiräume für Mitarbeitende steigern
Schnelle Veränderungen sind nur mit selbstorganisierten Mitarbeitenden möglich, ist das Fazit, das ich aus dem neuen Buch „Die fünf Säulen der Selbstorganisation“ von Dr. Bernhard Eickenberg ziehe. Denn wer heute und in Zukunft den Markt beherrschen möchte, muss mit einer höheren Geschwindigkeit agieren, auf äußere Bedingungen reagieren und, allem voran: schnell Entscheidungen treffen können.
Doch einmal von vorn: Die Symptome, an denen die Unternehmen zahlreicher Firmeninhabende und Führungskräfte leiden, sind Mitarbeitende, die ihren „Dienst nach Vorschrift“ ableisten, die sich nicht trauen, Entscheidungen zu treffen, häufig ihre Aufgaben zurückdelegieren und eine zu hohe Abhängigkeit von der operativen Mitarbeit der Führungspersonen abhängig sind. Wer diese Leidensthemen kennt, wird von Eickenberg eingeladen, die Vorteile der Selbstorganisation kennenzulernen und verspricht schon im Vorwort acht signifikante Merkmale, die selbstorganisierte Institutionen mit sich bringen; darunter leichtere Skalierung, entlastete Führungskräfte, zufriedenere Angestellte, bessere Prozesse und bessere Unternehmensergebnisse.
Inhalt
In acht Kapiteln werden die Leserinnen und Leser strukturiert aufgeklärt und durch den theoretischen Ablauf geführt. In Kapitel 1 wird begründet, warum auf Selbstorganisation nicht mehr verzichtet werden kann, wo deren Grenzen liegen und mit welchen Fragestellungen sich Interessierte zuerst befassen sollten. In den Kapiteln 2 bis 7 werden die Voraussetzungen für Selbstorganisation beleuchtet: Selbstbestimmung (Kap. 2), Alignment (Kap. 3), Transparenz (Kap. 4), Motivation (Kap. 5), Kompetenz (Kap. 6) und Vertrauen (Kap. 7). Jedes Kapitel ist übersichtlich aufgebaut und ein paar Grafiken verdeutlichen die Sachverhalte.
Herausgreifen möchte ich beispielhaft den erforderlichen Zusammenhang von Selbstbestimmung (2) und Alignment (3). Selbstbestimmung bedeutet hier nicht nur, dass Mitarbeitende mitbestimmen, wann und wo sie arbeiten, sondern auch woran, indem sie ein gewisses Maß an Gestaltungsfreiheit und Autonomie für einige ihrer Arbeitsbereiche erhalten. Alignment bedeutet in diesem Kontext die Ausrichtung von Zielen, Werten und Aktivitäten innerhalb des Betriebes, um sicherzustellen, dass die Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne der Unternehmensziele eingesetzt werden. Ohne Alignment ist die Arbeitsleistung weder effektiv noch fokussiert.
Bei fehlender Transparenz (4), als ein weiteres Beispiel, werden Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen, wo Informationen fehlen. Mit Transparenz hingegen liegen objektive Kriterien für solide Entscheidungen zugrunde.
Bei Motivation (5) wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden und auf die verschiedenen Faktoren für deren Steigerung eingegangen. Beispiel: Weil Bonus- und Belohnungssysteme die intrinsische Motivation zerstören, plädiert der Autor hier eindeutig zu einer Änderung, wo möglich: Anstelle von Wenn-dann-Belohnungen sollten in seinen Worten besser „Nun-da-Belohnungen“ ausgelobt werden.
In Kapitel 6 erörtert Eickenberg, inwiefern die „Auslastungsfalle“ die Unternehmenskompetenz tötet und geht sowohl auf systemische als auch auf individuelle ein und bietet zahlreiche Methoden für den Ausbau von Kompetenzen an.
In Kapitel 7 wird Vertrauen beleuchtet. Vertrauen braucht man immer da, wo Menschen ein Risiko empfinden. Je mehr Verantwortung sie haben, desto stärker ist das Risiko üblicherweise ausgeprägt. Die strikten Regelungen, die in vielen Unternehmen zur Gewohnheit geworden sind, machen das Vertrauen zwischen den Menschen irrelevanter. Soll Selbstorganisation entwickelt werden, muss auch das Vertrauen in der Organisation (wieder) „ausgesäht werden“ und wachsen. Mit dem Ziel, dass ehrlich und moralisch aufrichtig zusammengearbeitet wird, dass Vereinbarungen eingehalten werden und so Unsicherheiten und Risiken minimiert werden.
In Kapitel 8 werden die Prinzipien dargestellt, die Selbstorganisation fördern. Es wird auf mögliche Widerstände eingegangen und zur Reflexion eingeladen. Denn: Keine Selbstorganisation ohne Hinterfragen des bisherigen Systems!