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Matthias Rischer
ISBN 978-3-86289-249-5 · 20,00
Kategorie: Unterhaltung


Ein Thriller, der lange nachwirkt – spannend, intelligent und hochaktuell!

Matthias Rischer gelingt mit Morgen wird es anders sein ein faszinierender Thriller, der weit über eine spannende Geschichte hinausgeht. Was zunächst wie ein digitales Abenteuer in der kanadischen Wildnis beginnt, entwickelt sich zu einem packenden psychologischen Spiel, in dem die Grenzen zwischen Realität und Simulation immer stärker verschwimmen.

Besonders beeindruckt hat mich die Verbindung aus Spannung, technologischen Zukunftsvisionen und den großen Fragen unserer Zeit: Wie weit darf künstliche Intelligenz gehen? Was macht unsere Identität aus? Und wie frei sind unsere Entscheidungen wirklich?

Das Buch regt zum Nachdenken an, ohne dabei belehrend zu wirken. Gerade weil die behandelten Themen heute aktueller sind denn je, bleibt die Geschichte auch nach der letzten Seite im Kopf.

Ein außergewöhnlicher Thriller für alle, die nicht nur gut unterhalten werden möchten, sondern auch Freude an neuen Perspektiven und tiefgründigen Fragen haben. Absolute Leseempfehlung!

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Morgen wird es anders sein

Dora Heldt
dtv · ISBN 978-3-423-26462-4
Kategorie: Unterhaltung


„Sönnigsens letzter Fall | Nordsee-Cosy-Crime mit Spannung, Witz und skurrilem Detektivquartett“ als Band 3 dieser Serie mit mehr als 350 spannenden Seiten.

Wenn der Job einen nicht loslässt...
...kann das gefährlich werden – für einen selbst und nervig dazu, für andere, Nachfolger im Amt inklusive. Das ist doch mal eine Kombi der etwas anderen Art ... „Ein gelangweilter Rentner, ein totes Schaf, eine gefährliche Mission: Karl Sönnigsen hat Langeweile. Während seine Frau und all seine Freunde ihren Hobbys nachgehen, ist Karl hauptsächlich unzufrieden – und misstrauisch! Der dritte und letzte Fall für das originellste Ermittlerteam, das Sylt je gesehen hat – eine perfekte Urlaubslektüre. Denn was treiben diese unerzogenen Jugendlichen, die hier reihenweise Ferien mit ihren reichen Eltern machen, eigentlich die ganze Zeit? Karl wittert überall das Verbrechen und meldet sich mit seinen Beobachtungen auch regelmäßig bei der Polizei. Doch die wollen von seinem Spürsinn nichts wissen. Schon gar nicht, als Karl einen kaltblütigen Mord meldet – an einem Schaf. Doch er glaubt fest daran, dass hinter diesem Unfall viel mehr steckt. Und so gründet Karl Sönnigsen eine »Soko Schaf«. Was Karl jedoch nicht ahnt – das Schaf war erst der Anfang...“ und dient zunächst schlicht als Alibi, immer wieder aufpoppend (S. 202 usw.).

Sönnigsens Sokos
Womit sich das gewohnte Durcheinander entwickeln kann, was mit Verhalten, Kommunikation und Verständnis füreinander zu tun hat, in diesem Zirkel plus offizieller Ermittlung... Nun, immerhin befasst Karl sich inzwischen auch mit anderen Themen, die seinem „Ruhestand“ eher spiegeln, etwa die Frage nach unnötig umfangreichem Marmeladen-Angebot (S. 29f.), was mich natürlich erinnert hat an – Neuro-Marketing ... Wie sehr die Umstände ein Leben beeinflussen (können), zeigt sich etwa an der Person des Markus (S. 126ff.). Doch natürlich steht im Zentrum Karl Sönnigsen mit seinem über Jahre aufgebauten Netzwerk, das ihm ein inoffizielles Ermitteln an vielen Stellen ermöglicht (S. 311 etc.). Nun, sollen wir wirklich daran glauben, dass dies der finale Fall war? Gar zu schade um dieses herrliche Lokal-cosy-crime! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Zwischen gut und böse

Matthias Timander
Allee · ISBN 978-3-911-52400-1
Kategorie: Unterhaltung


Dein Wille wohnt in den Wäldern…. und genau dies geschieht: Klärung.
Ruhig, lakonisch, melancholisch der Beginn. Der Beginn des schmalen Romans des jungen Kulturjournalisten Matthias Timander wirkt gleichsam wie eine lange sanfte Woge, die etwas vorbereitet, nach einem plötzlich veranlassten Entschluss an Schwung zunimmt und den Ich-Erzähler in die große Stadt trägt; eine Kurzwelle spült ihn schließlich wieder in Wald und Dorf zurück, wo er, um Selbsterkenntnis bereichert, seine Wurzeln weiterhin sucht und nun, über zwei Lebensmodi verfügend, eine Synergie für seine Zukunft nicht ausschließt.
Der Ich-Erzähler, (wie der Autor damals) 20 Jahre jung, wohnt seit dem Tod seiner Eltern in deren Häuschen, das abseits vom Dorf steht, inmitten von Wald, Gewässer und Tieren und angrenzend an das Dorf. Sein Rückzug in die Natur ermöglicht oder erleichtert es ihm, sich mit seinem Leben und dessen weiteren Weg zu beschäftigen, auch wenn es zunächst nicht so erscheint. Er durchlebt Lange-Weile: voller Sympathie für das nordschwedischen Dorf und besonders für zwei seniore Dorfbewohner. Er arbeitet vorzugsweise körperlich (Holzarbeiten) und findet in den zwei Alten, Tage und Viola, Halt, Geborgenheit, wechselseitige Fürsorge. Ihnen stellt er Fragen zu seinen, zu den Wurzeln seiner Familie, weiteren Ahnen, fragt nach Gründen für tradierte Konfliktkonstellationen zwischen Personen. Viele der Fragen bleiben insofern unbeantwortet, als die beiden weniger Fakten als Weisheiten formulieren, die sich ihrerseits als Teil von Antworten herausstellen werden. Er ist unzufrieden, befragt andere Personen, doch auch sie erweitern seine Kenntnisse kaum.
Nach einem zufälligen Fund im Schuppen, reist er abrupt, spontan, ohne auch nur eine Skizze von einer Perspektive zu haben, ab in die große Stadt: Stockholm. Welcher Fund hat diese Entscheidung vorbereitet? Es ist ein Buch, das die Geschichte eines Ehepaares während des Zweiten Weltkriegs erzählt. Dieser Lektüre folgt eine Phase, in der der alte Rhythmus seines Lebens: Arbeiten, Schlafen, Dösen, zur Storstuga fahren, mit Tage reden - grundlegend Platz macht für einen neuen: Lesen-Lesen-Lesen: „Dann ging es richtig los, ich las wie ein Verrückter. […] Ich fing an nachzudenken, vielleicht auch darüber, ob ich wirklich hierhergehörte oder ob es da unten vielleicht noch was anderes geben könnte. Ich phantasierte plötzlich von der Großstadt, träumte und romantisierte, wie es wäre, einen anderen Sinnzusammenhang zu finden.“
Diese Assoziationen und den Entschluss, sein Domizil zu verlegen, hat eine Lektüre vorbereitet, die verschiedenste Autoren unterschiedlicher Länder und diverser Gattungen vorbereiten. Der Ich-Erzähler schildert in seiner lakonisch-knappen, zuweilen Sätze nicht zu Ende führenden Art und dem dennoch ruhigen Rhythmus seine wachsende Sucht nach Büchern, nach deren Besitz und Lektüre, danach, Ausgaben ihm besonders bedeutsam erscheinender Autoren mehrfach zu kaufen, und – in der großen Stadt zu leben. Seiner hastigen Abreise folgt die baldige Einreise in die Literaturszene der Stadt und hier vornehmlich in ein bestimmtes Café und das umliegende Viertel.
Diese Entwicklung vom einsamen Waldbewohner hin zum Bohemien, erfolgt rasant, überraschend – simultan unaufgeregt. Inmitten der Nennung von Autoren, Skizzen und Analysen von Personen und Beziehungen, von seiner eigenen professionellen Arbeit für Verlage und seinem Selbst-Wandel bekommt der Leser spontan Lust, sich Ausgaben vieler genannter Autoren zu besorgen und umgehend sich im Lesen zu vergraben. Und wer bereits Sachbücher und Romane gelesen hat wie „Das Café der Existenzialisten“ (Sarah Bakewell) oder „Der lange Sommer der Theorie“ (Philipp Felsch) wird sich unweigerlich an die dort geschilderte Lese-, Diskussions-, Selbstinszenierungseuphorie erinnern, die die 1960er und 1970er Jahre (v.a. in Frankreich und in den USA) zu besonderen gemacht haben.
Begeisterung und Enthusiasmus empfindet der Ich-Erzähler selten; geht sparsam mit Gefühlsschilderungen und selbstdiagnostischem Denken um. Dennoch spürt er unvermeidlich deutlich, wie das einst Neue und Bedeutsame, das ihm seine Lektüren, seine Aufträge, seine Kontakte und deren Persönlichkeiten und Gruppenverhalten (wie in einem Dorf, erwähnt er) sowie das diese Erlebniswelt an Relevanz für ihn abnimmt (verstärkt durch Notate, die er Skizzen seiner weiblichen Bekanntschaft entnimmt). Schlussendlich konstatiert er: Stockholm sei zwar eine Großstadt, die sich aber in Dörfer gliedert, so hier in das Dorf der Literaturbegeisterten, Diskutierwütigen, Eitlen, Aufgeplusterten, der realen Welt Entrückten: Posieren und Posen statt wirkungsvoller uneitler Auseinandersetzung und daraus folgenden verantwortungsvollen, bedeutsamen Taten.
So abrupt, wie er das Dorf, Tage und Viola verließ, reist er von der Stadt retour ins Dorf: „nach Hause“, veranlasst durch einen Anruf von der über acht Jahrzehnte alten Viola, zu er stets fuhr: „zur Storstuga“, mit Kaffee, Keksen, wortkargen Gesprächen, Dösen auf der warmen Küchenbank. Während der Reise retour gewahrt er, dass sich Vieles innerhalb seiner eher kurzen Abwesenheit gewandelt hat und sein Dorf nun ein Zuhause ist, das ein anderes geworden ist, sowohl durch bauliche Veränderungen als auch und insbesondere durch den Tod jener zwei Menschen, die ihm Heimat geschenkt haben, die zu seiner wie zur Identität des Dorfes gehören. Sein Häuschen ist unverändert, auch die unmittelbare Natur – und nach zwei Begräbnissen und Nachlässen vor eine Entscheidung gestellt, beschließt er, dort zu bleiben, tief-traurig und mit innerer Leere, eingewoben in Gefühle verborgener Dankbarkeit (siehe das Lied auf S. 180 „Kindheitshaus von Sven-Ingars sowie das Lied, das Tages öfter sang, S. 185) und in der Gewissheit: „Ob jetzt oder in achtzig Jahren, wenn man ein ehrbares Arbeitsleben hinter sich hat oder irgendein anders Leben, hier oder woanders, spielt keine Rolle, denn hier wird auf jeden Fall irgendwann meine Asche verstreut.“
Der schmale Roman möge zahlreiche Leser finden, unter ihnen jene, die an einem Scheideweg stehen, um eine neue Lebenswelt „zu probieren“ und mithilfe dieser Erfahrung Entscheidungen zu treffen, die sich stimmig anfühlen. Lesen, das zeigt der Autor unaufdringlich, hilft dabei ungemein. Dr. Regina Mahlmann www.dr-mahlmann.de drmahlmann@aol.com
PS (von HPR): Die Geschichte „spielt“ in einer Grenz-Region zwischen Schweden und Finnland im Gebiet einer der fünf in Schweden anerkannten Minderheiten, den Tornedalern (neben u.a. den Samen): Seit mehr als zwei Jahrhunderten von Finnland abgeschnittenen Finnisch-Schweden mit einer eigenen Sprache „Meänkieli“, die der Autor im Original mit einfließen ließ. Auch auf dieser Basis lässt sich der auch in der Übersetzung durchaus variantenreiche Text als Bildungsroman verstehen, der übrigens ein Füllhorn an Lese-Empfehlungen enthält, die es zu entdecken gilt – wer mag: Weil eingebunden in die Erzählung viele der Lektüren kurz und knapp der Leserschaft näher gebracht werden...

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Dein Wille wohnt in den Wäldern

Peter Grainger
Diogenes · ISBN 978-3-257-30120-5
Kategorie: Unterhaltung


„Ein Fall für DC Smith“ als spannungsreicher Einstieg in offenbar eine Serie auf mehr als 250 Seiten: Mir eigentlich zu dünn (ich bevorzuge 350 Seiten und gerne (noch) mehr) – doch gut lesbar dichte Handlung, die auf Aufblähen verzichtet, fein!

Mal ein durchaus teamfähiger Ermittler
...wenn auch mit einem sturen Kopf: „Nach einem internen Ermittlungsverfahren hätte man DC Smith bei der Polizei von Norfolk gern in Rente geschickt. Zu alt, zu eigensinnig, zu charakterstark befand man, doch Smith lebt für seinen Beruf und schert sich wenig darum, was seine Vorgesetzten gern hätten. Er bekommt einen Routinefall zugeteilt – der Unfalltod eines Siebzehnjährigen –, doch was sich da vor Smith eröffnet, ist nichts weniger als die Frage nach Recht oder Gerechtigkeit.“ Denn nach und nach schält sich eine üble Geschichte heraus, in früheren Jahren und andernorts gründend, die letztlich zum ungewollten Kollateralschaden geführt hat (S. 252ff. etc.)... Auf dem Weg dorthin „darf“ DC die eine oder andere Lehr-Stunde in Schulklassen absolvieren, Drogen & Co. betreffend – was er überraschend gut hinkriegt, wie auch sein neuer Protegé interessiert feststellt (S. 112 und drumherum), in dem er zudem den aussichtsreichen Nachwuchs auch seines früheren Partners erkennt. Waters erweist sich zudem als hilfreich in vielerlei Hinsicht über moderne Medien hinaus, weiß er doch als studierter Historiker überraschend viel etwa über den ehemaligen Ostblock, ohne aufs Internet zurück greifen zu müssen (S. 146f.), höchst relevant für den Fall. Andererseits hat er Weitbildungs-Bedarf bei Auto-Marken und bei Kinder-TV (S. 196), was ihm wiederum hülfe, manche Bemerkung seines „Paten“ leichter zu verstehen: Derlei lässt die Leserschaft schmunzeln, womit a bissal cosy ins crime kommt  ... Fazit? Ein vergnüglich-unterhaltsamer Krimi zu einem arg zeitgemäßen ernsthaften Thema...

Erfolg im Selfpublishing
...hat nun dazu geführt, dass der Autor auch im klassischen Verlagswesen angekommen ist – bei Penguin Books im Original und nun deutsch bei Diogenes in der Schweiz, fein! Vom Schreibstil her hat mich dieser Krimi a bissal an Raymond Chandler und seinen Philipp Marlow erinnert – wenn auch elaborierter und mit anderer Rolle als dessen Charakter. Vielleicht auch ein Anklang an Sam Spade bei Dashiel Hammett?!Jedenfalls durchaus ernsthaft, anders als etwa die ausgemusterte Crew von Jackson Lamb (Slow Horses, bei Mick Herron), die trotz vielerlei Macken und Fehler letztlich Fälle gelöst kriegt, sehr zum Entsetzen der Vorgesetzten. (Deutsch gibt´s ähnliches ja im TV mit München Mord – leider künftig wohl entfallend, wegen des Todes des Schaller-Darstellers...). – Wer also mal einen etwas anderen Krimi lesen möchte, greife zu! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Ein unglücklicher Tod

Luise Schorn-Schütte
C.H.Beck · ISBN 978-3-406-84315-0
Kategorie: Sachbuch


„Eine Geschichte der frühen Neuzeit - Die Geburt Europas - die große Gesamtdarstellung“ auf weit mehr als 350 lesenswerten, informativen Seiten.

Frühe Neuzeit in Europa (plus Kolonien)
Von Luther bis zur Französischen Revolution hat die Autorin den Zeitraum gefasst: „Die Zeit zwischen 1517 und 1789 ist eine Schlüsselepoche Europas, deren Erschütterungen auch global spürbar waren. In ihrem neuen Buch erzählt Luise Schorn-Schütte die an Umbrüchen reiche Epoche der Frühe Neuzeit neu und lässt die Vielfalt der Wahrnehmungen durch die Augen ihrer Protagonist:innen lebendig werden: vom polnischen Reformator Jan Laski über den Politikberater Kardinal Khlesl bis zu ersten First Lady der USA, Martha Washington, und zu Königin Luise von Preußen... Als eine der profiliertesten Kennerinnen der Frühen Neuzeit eröffnet die Autorin hier ein großes historisches Panorama: von der Reformation, dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden über die Versuche absoluter Herrschaft, den Siebenjährigen Krieg als ersten Weltkrieg und die Kolonialbildung in Nordamerika einschließlich der Unabhängigkeitserklärung von einem tyrannischen König bis hin zur Maiverfassung Polens und der Französischen Revolution mit der Erklärung der Menschenrechte. Der Fokus liegt hierbei auf der europäischen Geschichte, das Buch weitet den Horizont aber immer wieder auch auf globale Zusammenhänge.“ Und damit zu wiederkehrenden, verbindenden Fragen:

Wer teilt was mit wem?
Das ist der „Frage-Bogen“, der über all dem steht, für den bedeutsamen Zeitraum dieser knapp drei Jahrhunderte: „Ist die Darstellung von Geschichte stets ein Nachweis des Moderner-Werdens? Für die Geschichte der Frühen Neuzeit galt diese Annahme seit Jahrzehnten. In diesem Buch geht Luise Schorn-Schütte von einem anderen Ansatz aus: Wie sah der Blick der Zeitgenossen auf den Wandel der Ordnungen aus? Wie passen u. a. adelige und bäuerliche Traditionen mit kaiserlichen und/oder königlichen Herrschaftsansprüchen zusammen? War der Anspruch auf ständische "libertet", auf Abwehrrechte gegen monarchische Gewalt mehr als ein überflüssiges Relikt, stattdessen vielmehr der Ansatz für eine parallel laufende, doppelte Frühneuzeit?“ Nun, es geht jedenfalls um doppelte Teilung der Macht: Einmal eben der weltlichen (König/Kaiser, Adelige/Stände ...) wie auch der geistlichen – also das Zusammenspiel mit der kirchlichen Macht, an der Spitze der Papst. Zumindest bei den Katholiken, denn da gab´s ja nun die Reformation verschiedener Arten, dazu die Ost-Kirchen – und natürlich spielte auch der Islam eine Rolle... Auseinandersetzungen vielerlei Art fanden in dieser Zeit statt, siehe den 30jährigen Krieg (1618-1648), Bauernkrieg usw. Ein Hin und Her potenzieller „Weltmächte“ wie Preußen, Habsburg, Russland – doch auch Polen, Schweden und natürlich Spanien und Portugal, Großbritannien und Frankreich, Niederlande auch zu erwähnen... Nun, eine Menge Details hat die Autorin zusammen getragen – alle lesens- und wissenswert, vieles davon für mich als konkreter Aspekt durchaus neu: Deshalb habe ich in meinem Exemplar eine Menge Eselsohren als Merker hinterlassen! Fein (neben der Personalisierung, s.o.) auch die jeweiligen Zusammenfassungen zu den neun Kapiteln (plus Einführung und Epilog), die kurz und knapp das Wichtigste der jeweiligen Periode fokussieren!

Die Inhalt kurz gefasst
Zwei Kapitel zu Grundlagen (Was ist Europa? Ein Europa der Regionen) – und dann als Teil II „Europa erzählen“ Umbruch oder langfristiger Wandel (um 1530) – um 1555: Herrschaftskonflikte... – um 1600: Ständische gegen monarchische Herrschaft... – um 1650: Herrschaftswandel durch Krieg? ... – um 1700: Die Wederkehr der Könige... – Europa in der Welt 1750: Neue Kriege und koloniale Strukturen – Europa 1776, 1789, 1791: Neue Ordnungen und Kontinuität. Voila, jedenfalls besorgen! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Die Teilung der Macht

Frida Skybäck
dtv · ISBN 978-3-423-26457-0
Kategorie: Unterhaltung


„Ein Fall für Fredrika Storm Band 3 - Scandi-Crime um einen Cold Case an der Universität Lund – basierend auf wahren Verbrechen“ als spannender Lokal-Thriller mit 450 Seiten.

Sexismus an Universitäten
...ist ja leider auch heutzutage und hierzulande durchaus ... gängig. Der zeichnet sich schon früh ab, in dieser Krimi-Handlung: „Welches Geheimnis hüten die alten Mauern der Elite-Universität Lund? Eine verschwundene Studentin, ein Sommer voller Lügen. An einem drückend heißen Sommerabend verschwindet die Studentin Isabelle Karlsson von der Party eines erfolgreichen Technologieunternehmens, gegründet von zwei ehemaligen Studenten der Universität Lund. Der charismatische CEO Martin Zenberg beteuert, weder er noch sein Unternehmen hätten irgendeine Verbindung zu der jungen Frau – doch ist er wirklich glaubwürdig? Ein Fall, der nie wirklich abgeschlossen war: Fredrika Storm und Henry Calment entdecken Parallelen zum Mord an der Studentin Petra Olsen, die sieben Jahre zuvor getötet wurde. Zwar gibt es einen verurteilten Täter, doch die damaligen Ermittlungen zeigen eklatante Mängel. Was ist wirklich mit den beiden Frauen passiert? Und wer profitiert bis heute von der offiziellen Wahrheit?“ Denn ein Verkaufs-Deal mit einem chinesischen Unternehmen steht bevor ...

Deal or no deal?
...und der wird von „der Politk“ weniger gern gesehen, siehe ähnliche Themen wiederkehrend hier bei uns oder in den USA. Wobei sich dafür noch ein anderer Weg auftuen wird... Wie auch immer, aktiv ist „ein Ermittlerduo gegen ein Netzwerk aus Macht und Schweigen. Zwischen Elite-Universität, Start-up-Glitzerwelt und einer Kultur des Wegschauens stoßen Fredrika und Henry auf widersprüchliche Aussagen, verschwiegene Beziehungen und Spuren, die nie hätten verschwinden dürfen. Je näher sie den Kreisen um Martin Zenberg kommen, desto gefährlicher wird die Suche nach Isabelle Karlsson – und nach Gerechtigkeit für Petra Olsen. Atmosphärisch, vielschichtig, klug – mit einem unvorhersehbaren Ende: ›Schattenmädchen‹ beruht auf wahren Verbrechen an der Elite-Universität Lund.“ (Siehe dazu die Nachbemerkung S. 450.) Auf dem Weg dahin geht´s um eine Art Gegenteil des Tech-Unternehmens, eine Selbstversorger-Kommune (S. 62 und drumherum etc.), die Einkaufs-App konkret (interessant-realistisch, S. 86ff. usw.), Familie (u.a. S. 139ff.), alltäglichen Sexismus (S. 224f. z.B.), Beziehungs-Wünsche und –Stress (S. 267ff., S. 341ff. etc. pp.), Studenten-Verbindungen (wiederkehrend, schließlich S. 327ff.) – und einen wirklich überraschenden Twist am Schluss, wow! Sehr zu empfehlen, wegen der Story wie der Schreibe. HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Schattenmädchen

Luisa Heese (Hg.)
Wienand · ISBN 978-3-86832-862-2
Kategorie: Sachbuch


„Nouveau Réalisme und die Kunst der 1960er Jahre“ als Ausstellungs-Katalog (Kunsthalle Mannheim, 3. Juli – 10. Oktober 2026) zweisprachig D/E mit mehr als 350 eindrucksvollen, großformatigen Seiten mit feinem Leinenstruktur-Einband, auch der Vorsatz fürs Abbilden von Kunstwerken genutzt....

Nähe zur Pop-Art
....ist gegeben, jedenfalls in einer der diversen Varianten des New Realism – das zeigt schon der Vorsatz mit „Troi Lichtenstein = un Deschamps“ (auch auf S. 321). Und was alles ist dort versasmmelt... „Der Katalog zeichnet eine umfassende, multipolare und globale Kartografie der Bewegung des Nouveau Réalisme mit Epizentrum in Paris, deren internationale Ausdehnung über die 1960 von Pierre Restany initiierte und unterstützte Gruppe hinausgeht. Von der Nachkriegszeit bis in die frühen 1970er Jahre beschäftigten sich viele Künstlerinnen in Europa, Lateinamerika und den USA mit dem Potenzial des gefundenen Objekts als künstlerischem Material. Durch die direkte Auseinandersetzung mit der Realität entwickelten sie neue, oft radikale Ausdrucksformen. Ihre Themen reichten von Fragen nach Körper und Identität bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit Industriegesellschaft und Umweltzerstörung. Ausgehend von herausragenden Werken aus der Sammlung der Kunsthalle – mit Hauptwerken von Arman, César, Yves Klein, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri, Niki de Saint Phalle und Jacques de la Villeglé – werden die künstlerischen Entwicklungen des Nouveau Réalisme bis in die frühen 1970er-Jahre verfolgt, ergänzt durch Arbeiten von Künstlerinnen wie Alina Szapocznikow u.a., die zeitgleich an ähnlichen Fragestellungen gearbeitet und wesentlich zur Definition der neuen Sprachen beigetragen haben.“ Da gab es eine neue Form der Historienmalerei...fernab ab der Mythenbildung und Verklärung des 19. Jahrhunderts (S. 24), Varianten der Collage u.a. als Dieb von Plakatabrissen (S. 37) – und generell die Mitglieder dieser Kunst-Richtung als „Einzelpersönlichkeiten mit eigenständigen Werkansätzen, die die Ideen Duchamps in sehr unterschiedlicher Weise in ihre Prozesse einbeziehen“ (S. 72).

Variantenreiche Szene
Sprache als Material finden Interessierte dann im Katalog S. 135ff. etwa in den Stempelbildern. Elektroschrott und Altmetall u.a. bieten Material für eine Poetik der Maschinen S. 155ff., als Kombination mit Collage etc. erweisen sich die Reliquien der Gegenwart als allegorischer Sinn des Fragments (u.a. Körperteile, S. 191ff.). Zu finden sich auch Skulpturen von Niki de Saint Phalle (S. 263) oder Christo (SPIEGEL eingepackt S. 314, später dann S. 334f. Monument) und natürlich Robert Rauschenberg (S. 317) als Repräsentant der PopArt (Politik, Kommerz, Popkultur: Kunst als Spiegel der Gesellschaft S. 305ff.). Fazit? Wer immer es zeitlich zur Ausstellung schaffen kann, plane einen Besuch dringend ein! Wer darauf verzichten muss, gönne sich zumindest den Katalog mit ausführlichen Kapiteln zu den aufzugreifenden Themen in Text und Bild! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Radikal. Real. New Realism.

Dieter Kirsch/Laura Stadtegger
Allitera · ISBN 978-3- 962-33529-8
Kategorie: Sachbuch


Ein Biopic als Graphic Novel mit mehr als 250 illustrierten Seiten – und wunderbares Beispiel, was Visualisieren bewirken kann! Voila, gar Blaupause für viele Themen der Weiterbildung?

Die neunte Kunst
...werden Comics in all ihren Varianten schon mal genannt – und die Künstlerin ist sonst an der Leinwand aktiv und damit in der vierten – und das macht sich auch bemerkbar, bei dieser Graphic Novel, durchaus positiv, wie ich meine, im Sinne von Variieren beim Visualisieren: Sie packt mehrere Sequenzen in ein einziges Panel, das dann ganzseitig daher kommt, tatsächlich mit den Grenzlinien. Voila, so ist ihr dies bestens gelungen: „Der Wechsel von der großformatigen Leinwand zur Buchseite war schon eine Herausforderung, die ich aber gerne annahm“ (S. 244 „Warum und wie die Graphic Novel entstand“).So wurde denn des arg jung verstorbenen Theater-Schriftstellers Vita in Bild-Sequenzen umgesetzt, startend und endend mit Panels zum Todenstag 1. Juni 1938: „Die Graphic-Novel-Biografie zeigt Ödön von Horváths Leben, seine Zeit und das Werk, erzählt es, wie es er, der von seinen Freunden viel gelobte Erzähler, wohl selbst getan hätte: in 95 Geschichten. Das Graphic Novel-Kino über Ödön von Horváth ist schwarzweiß – seine Farbigkeit gewinnt es im Lesen dieses visuellen Lebensromans.“ Nämlich aus den Texten heraus, die reichlich integriert sind – in aller Regel als Sprechblasen-Folge, im Dialog hin und her springend zu lesen. Durchgängig aus seiner eigenen Perspektive, gleich einleitend mit „Mein Zuhause“ verdeutlicht (S. 8, nach dem Prolog = der Unfall-Situation...) – also fast so etwas wie eine Auto-Biografie ...

Visuell wirkt – so oder so & soundso!
Als Comic ein sehr eigener Art-Style eben durch konsequente ganzseitige Panels (seltene Ausnahmen mit dann doch horizontaler Trennlinie mittendrin, wodurch zwei entstehen), durchaus mal Kunst jenseits der Neunten andeutend, siehe S. 29 mit Spruchbändern à la mittelalterlicher Bilder-Handschriften plus S. 231 ein Seitenblick auf Disneys Trickfilme, fein. Das an sich strikte Layout wird schon mal variabel interpretiert, wenn „das Refugium Risse bekam“ (S. 80ff.) und scheinbar auf gut 1/2 Seite verkleinerter Zoom in ein übliche Ganzseite übergeht, das Geschehen mit Nazi-Begegnung zu dynamisieren – oder S. 12f. als Doppelseite der Protagonist affirmierend verkündet „Ich, Ödön, bin zum Schriftsteller geboren“. Wie leider heutzutage ja gängig, sind die sprechblasen-Texte in VERSALIEN, handgeschrieben – Werk-Zitate dagegen in Gemeinen (z.8.B. S. 100, hier im Schreib-Prozess) klar abgegrenzt. Apropos Schreib-Prozess: S. 202ff. mal als eine Art Schreib-Rolle interpretiert, mit Texten und Zeichnungen – die Rolle dazu quasi entrollt und auf den Folge-Seiten in sieben Akten entwickelt. Wenn Zitate in Aufführungs-Elemente gefügt, gibt´s auch eine Art Wolke drum herum (S. 168f. etwa, hier mit Text unterm Bild).

Variieren Sie – jetzt!
Nun, so gesehen mögen manch in der Weiterbildung Tätige sich angeregt fühlen, für sich aus dieser Vielfalt visueller Impulse das eine oder andere zu probieren – und damit diese Graphic Novel quasi als Workbook zu betrachten: Für Präsentation, Szenerie in der Maßnahme, visuelles Protokollieren zum Beispiel?! Und wer sich angeregt fühlt, aus den üppigen Zitaten heraus das eine oder andere Werk sich näher zu holen, ist S. 245 gut versorgt, mit den Quellen-Angaben und dem Verzeichnis der Werksausgaben, voila! Das Cover übrigens auch trefflich gewählt, mit Motiven aus den verschiedenen „Heimaten“ des viel gereisten Autors – er mitten drin und in voller farbiger Trachten-Montur  ... Fein, dass der Texter und die Illustratorin sich ans Thema heran gewagt haben, mit höchst aufwändiger Recherche! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Ödön von Horvath

Benjamin Cors
dtv · ISBN 978-3-423-22172-
Kategorie: Unterhaltung


„Ein abgelegenes Dorf, ein undurchdringlicher Wald, eine Reise in die Vergangenheit. Der dritte düstere Psychothriller mit Gruppe 4“ ziemlich international = Länder-übergreifend, auf annähernd 400 Seiten.

Spannungsvolles Auf und Ab
...ist hier geboten, mit geschicktem immer wieder aufs Neue ins Spiel gebrachten potenziellen Tätern, wow... Anschließend an früheres Geschehen, durchaus zudem mit Kollateral-Opfern, die das Geschehen noch undurchsichtiger werden lassen! Und so geht´s „rund“: „Tief in den Wäldern wartet die Erlösung – und das Grauen: Mila Weiss ist auf der Jagd. Tief in den Bergen will sie endlich ein Phantom aus ihrer Vergangenheit stellen: Johannes Toblach. Doch am Tag ihrer Ankunft wird eine Leiche in den Bäumen gefunden, gefangen in einem Netz aus Seilen. Und für Mila stellt sich die Frage: Ist sie die Jägerin oder die Gejagte? Stück für Stück kommt sie ihrem Ziel näher – bis sie plötzlich spurlos verschwindet. Die Gruppe 4, geleitet von Jakob Krogh, macht sich sofort auf die Suche. Sie stoßen auf ein abgelegenes Bergdorf, in dem nur das Schweigen noch dichter ist als der Nebel. Das Team wird in das grausame Spiel eines Serienmörders verstrickt, der sich in den Schatten der Wälder verbirgt. Und ganz offenbar Mila in seiner Gewalt hat …“ Das Überleben dort hängt auch vom hiesigen Sägewerk ab, das wegen des intensiven Abholzens andererseits kritisiert wird (siehe u.a. S. 99ff.) – und dessen Geschäftsführer schließlich zu einem der Opfer wird... Die Kirche wiederum ist einerseits Anziehungspunkt, gerade wenn teuflische Morde geschehen (S. 158f.) – doch „wegen Überfüllung geschlossen“ wäre übertrieben, noch dazu mit einem Pfarrer, der durchaus ambivalent erlebt wird... Und welche Rolle spielt ein Reinigungs-Service, bei dem eines der Opfer tätig war (S. 222f. usw.)? Ein stetes Hin und Her also, dass die Gruppe 4 wie auch die Orts-ansässige Polizei an Grenzen bringt – was sich schließlich auch in wechselseitigen Schuldzuweisungen mündet (S. 276ff.): Dieses Gewitter führt dazu, dass die Zusammenarbeit mit frischer Kraft fortgesetzt werden kann. Sehr schön die Lösung, im Sinne von „was treibt den Täter denn um?“, angedeutet bereits S. 238f. mit Vergangenheits- und Kunst-Bezug – mehr zu verraten bräuchte eine Spoiler-Warnung  ... Denn dieser Text soll ja schlicht ein Appetizer sein – ran ans Buch, feine Lektüre! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Nebelbeute

Konstantin Schamber
AnthroEx · ISBN 978-3-912841-00-8
Kategorie: Sachbuch


„Vom Fortschritt zum Verlust der Vielfalt. Ein Plädoyer für offene Zukünfte in einer technisierten Welt“ mit vielfältiger Expertise aus vielerlei Perspektiven: Quasi ein Debatten-Buch mit einem Füllhorn an Impulsen für eigenes Reflektieren, mit weit über 250 Seiten.

Alles Technik oder was?
Nun, derzeit (Herbst 2026) ist die Diskussion um KI & die Folgen im vollen Gange – nachdem erste KIs aus ihrer eigentlich umbauten Umgebung ausgebrochen waren... Sich das grundlegend zu verdeutlichen, was an kaum kalkulierbaren Risiken den sicher vorhandenen Chancen gegenüber steht, dafür ist dieses Buch genau das richtige! Um Fragen dieser Art anzustoßen und unterschiedliche Antworten kredenzt zu bekommen: „Wie technologischer Fortschritt unsere Möglichkeiten erweitert – und unsere Zukunft zugleich verengt... Mehr Freiheit, mehr Effizienz, mehr Möglichkeiten – so lautet das Versprechen des technologischen Fortschritts. Werkzeuge, Sprache, Schrift, Maschinen und moderne Infrastrukturen haben die Menschheit vorangebracht. Heute eröffnen Digitalisierung, Automatisierung, Biotechnologie und Künstliche Intelligenz neue Chancen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Doch mehr Technologie bedeutet nicht zwangsläufig mehr Zukunft. Was als nützliche Innovation beginnt, kann zum Standard und schließlich zur unverzichtbaren Voraussetzung werden. Technische Systeme greifen immer tiefer in Arbeit, Kommunikation, Verwaltung und Alltag ein. Alternativen werden schwerer realisierbar, Abhängigkeiten wachsen und gesellschaftliche Handlungsspielräume verengen sich. Aus freiwilliger Nutzung kann funktionale Abhängigkeit entstehen.“ Um ein plakatives geflügeltes Wort zu zitieren: Wenn wir blind an KI glauben – müssen wir irgendwann daran glauben... Bleibt zu fragen:

Welche Zukunft soll es sein?
Gute Frage – nächste Frage?! Technikfolgen-Abschätzung ist ein Kern-Begriff in diesem Zusammenhang – doch wird die wirklich zukunftsweisend (und –sichernd) angewandt oder dient er schlicht als Alibi, mehr auf Chancen denn auf Risiken zu starren, wie das Kaninchen vor der Schlange? Nun, „Dr. phil. Konstantin Schamber, Sozialwissenschaftler und Experte für strategische Vorausschau, bezeichnet diesen Prozess als Monofuturis: die schleichende Verengung vieler denkbarer Zukünfte auf wenige dominante Entwicklungspfade... Er zeigt, wie Innovationen aus dem Zusammenspiel von Wissen, Kultur, Macht, Institutionen, wirtschaftlichen Interessen und menschlichen Bedürfnissen entstehen – und welche Auswirkungen sie auf Freiheit, Identität und Selbstbestimmung haben...Im Mittelpunkt steht dabei, wie Chancen genutzt, Risiken begrenzt und Überforderungen sozialer und kultureller Systeme frühzeitig erkannt und bewältigt werden können.“ Entwickeln wir also eine monokulturelle Zukunft statt der multivariablen Chancen, die in all der Technologie steckt – stecken könnte = Monofuturis statt Multifutures? Auf dem Weg zu den Antworten finden sich interessante Passagen wie z.B. zur Sprach-Entwicklung (S. 74ff.), Spezialisierung vs. Interdisziplinäres (S. 103f.), KI praktsich gedacht ((u.a. Tabelle S. 124f.), Handlungsfelder der Regulation in der Technogenese (S. 153ff.), Zukunft der Arbeit (S. 201ff., für unsereins in der Weiterbildung Tätige besonders relevant...), Spirale der Technisierung (Grafik S. 211), Verlust an Kontrolle (Grafik S. 222), Freiheit vs. Verlust an Steuerung (Tabelle S. 235f.) – und natürlich v.a.m.!

Was dieses Sachbuch besonders macht:
Historische Gesamtschau: technologische und gesellschaftliche Entwicklung Interdisziplinärer Ansatz: Zukunftsforschung, Sozial- und Technikwissenschaften Psychologie, Philosophie, Anthropologie, Politik, Recht, Wirtschaft und Systemtheorie werden zu einer umfassenden Analyse der technologischen Entwicklung verbunden Interkulturelle Perspektive: geprägt von den jahrzehntelangen Erfahrungen des Autors in Forschung, Hochschullehre und Organisationspraxis sowie auf internationalen Technologiekongressen Differenzierte Betrachtung: Macht, Verantwortung und gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten in Umbruchszeiten. „Monofuturis hilft, wiederkehrende Entwicklungsmuster zu erkennen, Zukunftsversprechen kritisch einzuordnen und neue Abhängigkeiten frühzeitig wahrzunehmen...Es richtet sich an alle, die den technologischen und gesellschaftlichen Wandel besser verstehen und bewusster über Verantwortung, Freiheit und Zukunft nachdenken möchten. Welche Zukunft bleibt möglich, wenn Fortschritt selbst zum Zwang wird?“ Es liegt an jenen, die sich diese Lektüre gönnen, Impulse daraus aufzugreifen und sich weiterführende Gedanken zu machen... Übrigens exzellent ausgestattet, Hardcover mit Fadenheftung und Leseband plus einem ausführlichen Anhang (S. 245ff.). HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

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Monofuturis