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Tokyo. Schwarzer Sommer

Autor Tokuro Nukui
Verlag Lübbe
ISBN 978-3-7577-0221-2

„Ein japanischer Bestseller von beklemmender Wucht: atmosphärisch, intensiv und absolut fesselnd!“ als „Lokal-Thriller“ mit mehr als 470 spannenden Seiten. Und die Erstausgabemit fein gestaltetem Rundum-Farbschnitt, solange Vorrat reicht – danach: ohne: Inzwischen zu einem Design-Element geworden, diente derlei in früheren Jahrhunderten ja dazu, das Eindringen von Staub ins Buch zu vermeiden – so ändern sich die Zeiten  … Außer Frage, dass dieses schwarze Rundum plus gelber Titel-Nennung ästhetisch gelungen ist!

Kidnapping plus Mord
…ist eine der übelsten Taten, gerade wenn es um Kinder geht (siehe S. 320ff. z.B.) – so das allgemeine Empfinden bei uns wie auch anderswo, eben: in Tokyo… Geboten ist „eine fesselnde Reise ins finstere Herz Japans … Tokyo, 1990. Eine Serie rätselhafter Kindesentführungen versetzt die Bewohner der Metropole in Angst und Schrecken. Als die Leiche eines der verschwundenen Mädchen wenig später aus einem Fluss geborgen wird, bangt ganz Tokyo um das Leben der Kinder. Während ein verzweifelter Vater Zuflucht in den Ritualen einer obskuren Glaubensgemeinschaft sucht und immer tiefer in den dunklen Sog ihrer Heilsversprechen gerät, wächst der Druck auf die Ermittler. Kommissar Saeki und sein Kollege Okamoto wissen: Die Zeit drängt, und sie haben keinerlei Anhaltspunkte zu Täter oder Motiv. Doch dann stößt Okamoto auf eine vielversprechende Spur – zu einem Mörder, der nichts mehr zu verlieren hat … Das gefeierte Debüt des japanischen Bestsellerautors – ein außergewöhnlicher psychologischer Thriller, der die dunklen Abgründe der modernen Großstadtgesellschaft und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele schonungslos offenlegt.“ Und einen starken Twist offeriert, wirklich überraschend kommend…

Religion und Gesellschaft und Kriminalität
Auf dem Weg dorthin sind vielerlei Einblicke in religiöse Sekten geboten, wie sie in dieser Vielfalt offenbar auch anderswo als in den USA vorkommt (S. 45f., 78f., 218.ff. usw.) mit intensiver Manipulation (S. 379ff.) und starkem Spenden-Druck auch dort – und besonders eine kabbalistische Vereinigung wird tierer gehend präsentiert (S, 141f., 188ff. etc.). Die Beziehungen von Journalisten und Polizisten werden aufs Korn genommen (siehe S. 88ff.), dazu die Ermittlungs-Arbeit unterschiedlicher Vorgehensweisen (S. 356f. z.B.). Letztlich sind die Tagen eben durch die Sekten beeinflusst, weil Beschwörungen usw. scheinbar eine Lösung für den traumatisierten Täter zu bieten scheinen: Diese Andeutung möge genügen, sonst: Spoiler. Und dass es genau darum geht, entwickelt sich schon früh(er) in der Story (bis hin zu S. 444 dann…). Wie nah das (wenn auch fiktive!) Geschehen der Wirklichkeit kommen mag und welch intensiven Einfluss eben diese „religiösen Gemeinschaften“ auch und gerade in Japan offenbar haben, dazu ist des Autors Nachwort lesenswert (S. 477f.). HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter