„Du weißt, wo der Schlüssel liegt. Doch dich erwartet das Böse…“ bietet einen starken Thriller mit Extra-Horror-Andeutung und zudem vielerlei Lokalkolorit auf deutlich über 400 Seiten – mit Farbschnitt in limitierter Auflage.
…und die Ostsee ist so nah…
Weg von Berlin, den Einfluss von (Alleinerzieher-)Vater und (übergriffigem) Ex hinter sich lassend: „Es sollte der sicherste Ort der Welt sein. Das gemütliche Reetdachhaus hinter den Dünen, wo Lotta die glücklichsten Tage ihrer Kindheit verbrachte. Sie weiß genau, wo der Schlüssel liegt, wie die Krähen im Garten klingen [S. 66ff. usw.]. Hier will sie sich verstecken, hier wird sie niemand finden. Doch anders als früher, als der Strand voller Touristen und alles bunt und lebendig war, scheint das Örtchen am Meer jetzt verwaist. Und auch im Haus ist etwas anders als früher. Lotta hat immer öfter das Gefühl, nicht allein zu sein. Jemand beobachtet sie. Jemand folgt ihr, wenn sie draußen ist. Jemand ist bei ihr, wenn sie schläft. Lotta beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln. Was ist mit diesem Haus, das sie so gut kannte? Warum sind die Menschen so abweisend? Als sie anfängt, Fragen zu stellen, setzt sich ein düsteres Bild zusammen. Das Haus in den Dünen scheint eine Geschichte zu haben, die es tief in sich bewahrt. Eine Wahrheit, verborgen in einem Tagebuch. Dann erfährt Lotta von der jungen Frau, die vor ihr hier war. Die auch in diesem Haus wohnte. Die vor ihr hier gestorben ist …“ Und all das in kleinen Häppchen, teils mit eigenen Erinnerungen gespickt – und auch von ihrem neuen, wachsenden Freundeskreis geprägt: Wem kann sie denn wirklich trauen?“ Schwierige Situation, noch dazu, weil sie quasi auf der Flucht ist, vor ihrer Vergangenheit: Einem übergriffigen Ex-Freund, der dann auch tatsächlich plötzlich bei ihr auftaucht – und einem sich ähnlich verhaltenden Vater: Weg von Berlin, ab in die Provinz. Und eben doch wieder zurück in die Vergangenheit, wobei das Erinnern glücklicher Kindheit nur bedingt gelingen mag – hat sich doch vieles verändert, eben auch die Villa der Familie ihrer Mutter – dazu kommen wiederkehrende Albträume (S. 258ff. usw.)…
Freunde kann man sich aussuchen
…anders als die Verwandtschaft? Ja, prinzipiell schon – doch diese neuen Freunde wachsen ihr nach und nach zu, inkl. dem Kollegen der Immobilien-Firma, dessen Familie nun drei Viertel der Villa gehören, in der sie wohnt: Wie hängen die Personen zusammen, welche Beziehungen gibt es? Nach und nach treten Verhaltensweisen des einen oder der anderen aus diesem Kreis zutage, die sie mehr und mehr zweifeln lassen, gar verdächtig erscheinen, etwa als Lottas neu erstellte Zeichnungen eines eher düsteren Genres (S. 114ff. etc.) ausgestellt werden sollen, in mehrjähriger Tradition. Die laufende Erzählung strebt erkennbar dem Plot zu, gegen Ende mit zunehmendem Speed – und Schritt für Schritt für die Leserschaft begleitet mit zwei weiteren Text-Sorten (z.B. S. 32ff.): Zum Einen das Regelwerk des Täters, der sich selbst damit zu disziplinieren versucht. Und dazu Auszüge aus dem besagten Tagebuch, dessen Autorschaft auch erst zum Schluss aufgedeckt wird: Eine interessante Variante, verschiedene Perspektiven zu verbinden… Dazu sind Bezüge zu klassischer Literatur eingewoben, siehe: Werther-Effekt (S. 324). Alles in allem eine unterhaltsame Thriller-Variante, lesen! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
