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Ungeheuer am Nordpol

Autor Charles Derennes
Verlag Flur Verlag
ISBN 978-3-98965-103-6

„Und da hörten wir zum ersten Mal, wie in unserer Nähe ein unsichtbarer Flügel die Luft peitschte…“ stimmt die Leserschaft gleich mit einem Zitat aus dem Inhalt ein, für 250 durchaus spannende Seiten, Nachwort inklusive.

Im Stile von Jules Verne
…hat der Autor den Bericht über eine fantastische, SciFi-hafte Abenteuer-Reise zweier Freunde dem Tagebuch des einen „in den Mund gelegt“ – und lässt so intelligente Reptilien-Wesen quasi auferstehen: „Zwei Abenteurer machen sich mit einem Ballon auf den Weg zum Nordpol. Dort geraten sie in eine unheimliche Welt mit Dinosaurier-ähnlichen Wesen. Die furchteinflößenden reptilienartigen Geschöpfe sind intelligent und technisch versiert. Wird es den Männern gelingen, sich mit den Ungeheuern zu verständigen und der fremden Welt wieder zu entkommen?“ Im Zentrum steht scheinbar eine technische Innovation, ein weiter entwickelter und stark aufgepeppter Fesselballon nämlich. Doch aus der Wettbewerbs-Reise an einen der Pole wird weit mehr, der potenziell früher ankommende andere (? Parallel-) Reisende bleibt außen vor. Vielerlei relevante Aspekte sind in der Erzählung verwoben, etwa das Thema der Kommunikation mit völlig anderen intelligenten Wesen, Missverständnisse inkl., die letztlich zu einer Katastrophe führen… Der Autor hat offenbar ausgiebig recherchiert und natürlich sich von der einen oder anderen Anleihe früherer Autoren inspirieren lassen – geschrieben und spielend Anfang des 20. Jahrhundert.

Ruhm und Ehre
…stehen für den einen Protagonisten im Mittelpunkt, so jedenfalls berichtet der andere in seinen Tagebuch-Notizen (S. 68f. usw.). Ihm geht es (angeblich?) schlicht darum, Neues zu entdecken. Weswegen er auch dazu tendiert, die Entdeckung zu verschleiern, um die Reptilien-Wesen zu schützen – siehe Tier- und Menschen-Zoos, wie sie zu damaligen Zeiten ja gang und gäbe waren, inkl. Vorführen in Käfigen. Nun, sie bleiben verborgen, wenn auch in der Rahmen-Handlung offenbar das Skelett eines Wesens aufgefunden wurde… Doch auch philosophische Gedanken werden wiedergegeben (S. 97) – oder auch das Umgehen mit Alter und Über-Bevölkerung in sehr archaischer Form (S. 160ff. usw.) Und Illustrationen begleiten ganzseitig die jeweiligen großen Kapitel einleitend, etwa das Bild eines der Wesen (S. 128), sehr an ET erinnernd – oder war dies die Vorlage für eben ihn :)?! S. 203ff. erinnert das abschließende Kapitel „Unter dem Diktat des Todes geschrieben“ sehr an real überlieferte Tagebücher von gescheiterten Polar-Expeditionen. Wichtig und erhellend schließlich das Nachwort S. 231ff. zu Inhalt (Technik plus Naturwissenschaft) und Autor, zzgl. der editorischen Notiz, fein! Ein sehr lesenswertes Opus, das nun 120 Jahre nach dem Erscheinen des Originals endlich auf Deutsch erschienen ist, lobenswert: SciFi- und Fantasy-Fans werden es dem Verlag sehr danken! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter