Ödön von Horvath
| Autor | Dieter Kirsch/Laura Stadtegger |
| Verlag | Allitera |
| ISBN | 978-3- 962-33529-8 |
Ein Biopic als Graphic Novel mit mehr als 250 illustrierten Seiten – und wunderbares Beispiel, was Visualisieren bewirken kann! Voila, gar Blaupause für viele Themen der Weiterbildung?
Die neunte Kunst
…werden Comics in all ihren Varianten schon mal genannt – und die Künstlerin ist sonst an der Leinwand aktiv und damit in der vierten – und das macht sich auch bemerkbar, bei dieser Graphic Novel, durchaus positiv, wie ich meine, im Sinne von Variieren beim Visualisieren: Sie packt mehrere Sequenzen in ein einziges Panel, das dann ganzseitig daher kommt, tatsächlich mit den Grenzlinien. Voila, so ist ihr dies bestens gelungen: „Der Wechsel von der großformatigen Leinwand zur Buchseite war schon eine Herausforderung, die ich aber gerne annahm“ (S. 244 „Warum und wie die Graphic Novel entstand“).So wurde denn des arg jung verstorbenen Theater-Schriftstellers Vita in Bild-Sequenzen umgesetzt, startend und endend mit Panels zum Todenstag 1. Juni 1938: „Die Graphic-Novel-Biografie zeigt Ödön von Horváths Leben, seine Zeit und das Werk, erzählt es, wie es er, der von seinen Freunden viel gelobte Erzähler, wohl selbst getan hätte: in 95 Geschichten. Das Graphic Novel-Kino über Ödön von Horváth ist schwarzweiß – seine Farbigkeit gewinnt es im Lesen dieses visuellen Lebensromans.“ Nämlich aus den Texten heraus, die reichlich integriert sind – in aller Regel als Sprechblasen-Folge, im Dialog hin und her springend zu lesen. Durchgängig aus seiner eigenen Perspektive, gleich einleitend mit „Mein Zuhause“ verdeutlicht (S. 8, nach dem Prolog = der Unfall-Situation…) – also fast so etwas wie eine Auto-Biografie …
Visuell wirkt – so oder so & soundso!
Als Comic ein sehr eigener Art-Style eben durch konsequente ganzseitige Panels (seltene Ausnahmen mit dann doch horizontaler Trennlinie mittendrin, wodurch zwei entstehen), durchaus mal Kunst jenseits der Neunten andeutend, siehe S. 29 mit Spruchbändern à la mittelalterlicher Bilder-Handschriften plus S. 231 ein Seitenblick auf Disneys Trickfilme, fein. Das an sich strikte Layout wird schon mal variabel interpretiert, wenn „das Refugium Risse bekam“ (S. 80ff.) und scheinbar auf gut 1/2 Seite verkleinerter Zoom in ein übliche Ganzseite übergeht, das Geschehen mit Nazi-Begegnung zu dynamisieren – oder S. 12f. als Doppelseite der Protagonist affirmierend verkündet „Ich, Ödön, bin zum Schriftsteller geboren“. Wie leider heutzutage ja gängig, sind die sprechblasen-Texte in VERSALIEN, handgeschrieben – Werk-Zitate dagegen in Gemeinen (z.8.B. S. 100, hier im Schreib-Prozess) klar abgegrenzt. Apropos Schreib-Prozess: S. 202ff. mal als eine Art Schreib-Rolle interpretiert, mit Texten und Zeichnungen – die Rolle dazu quasi entrollt und auf den Folge-Seiten in sieben Akten entwickelt. Wenn Zitate in Aufführungs-Elemente gefügt, gibt´s auch eine Art Wolke drum herum (S. 168f. etwa, hier mit Text unterm Bild).
Variieren Sie – jetzt!
Nun, so gesehen mögen manch in der Weiterbildung Tätige sich angeregt fühlen, für sich aus dieser Vielfalt visueller Impulse das eine oder andere zu probieren – und damit diese Graphic Novel quasi als Workbook zu betrachten: Für Präsentation, Szenerie in der Maßnahme, visuelles Protokollieren zum Beispiel?! Und wer sich angeregt fühlt, aus den üppigen Zitaten heraus das eine oder andere Werk sich näher zu holen, ist S. 245 gut versorgt, mit den Quellen-Angaben und dem Verzeichnis der Werksausgaben, voila! Das Cover übrigens auch trefflich gewählt, mit Motiven aus den verschiedenen „Heimaten“ des viel gereisten Autors – er mitten drin und in voller farbiger Trachten-Montur … Fein, dass der Texter und die Illustratorin sich ans Thema heran gewagt haben, mit höchst aufwändiger Recherche! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
