Gewalt am Denken
| Autor | Mark Terkessidis |
| Verlag | Matthes & Seitz |
| ISBN | 978-3-7518-2113-1 |
Der Autor geht der Frage nach „Wann beginnt Faschismus?“ auf annähernd 150 Seiten.
Alles Faschismus…
…und nur das?! Nun, bedauerlicher Weise stellt sich die Frage heute mehr denn „je“ – und wie geht der Autor damit um? Ambivalent, so schien es mir… „Faschismus ist in aller Munde. Faschisten sind allerdings immer nur die anderen: Selbst die autoritärsten Regierungen behaupten, sie würden den Faschismus bekämpfen. Doch was genau ist Faschismus? Womit fängt er? Etwa mit Regierungen, die selbst die Unsicherheit erzeugen, die sie dann mit autoritären Maßnahmen bekämpfen? Oder mit einem allgegenwärtigen Gefühl der Bedrohung? Viele sehnen sich in eine Welt zurück, in der es klare Grenzen und Rollen gab. Andere fordern eine Welt, in der alle Gefahr durch korrektes Sprechen und richtiges Konsumieren gebannt wird. Dabei lässt sich Egozentrik kaum noch von echten Anliegen unterscheiden und die Wirkung erscheint wichtiger als die Wahrheit. Weitsicht, Planung, Zukunft, Argumentation, Wissen – das war gestern. Wann beginnt Faschismus? Mark Terkessidis fragt nach den Voraussetzungen für Faschismus. Er zeigt, wie die Aufbrüche der 1960er-Jahre in halbherzigen Reformen steckengeblieben sind und warum die Reaktion in radikaler Nostalgie besteht. Er beschreibt ein neues politisches Kontinuum, in dem die gefährdete Gemeinschaft im Mittelpunkt steht – auch bei den sogenannten progressiven Kräften.“ In seinem Essay bietet er auch klare Definitionen und somit die Grundlage dafür, sich selbst damit auseinander zu setzen, zu reflektieren. Etwa anhand seiner 5-Punkte-Auflistung, wann F. als politisches Phänomen zu deuten sei (S. 13f.): Ultranationalismus, Glaube an Souveränität, Führerprinzip, Freiheit von Widerspruch, paramilitärische Gewalt. Umkehren und Enteignen der Kämpfe der 1968er sei das Lebenselixir der Ultrarechten (S. 36f.), „Hauptsache, es entsteht ein Bild, das besagt: Du wirst wieder alle in der Nachbarschaft kennen, es wird wieder sicher sein…“ (S. 54f.), Gesellschaft des Spektakels – und eine unüberschaubare Menge an Mini-Monologen kennzeichne jene der Jetztzeit (S. 94f.), die „letzten Menschen“ ziehen sich durch Konsum aufs egozentrische Weltbild zurück (S. 112f.): Vielerlei Ansätze, die es zu vertiefen gilt! HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de
