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Eltern lassen sie nicht los

Autor Vera Wagenvoort
Verlag Selbstverlag
ISBN 978-3-982-70895-9

„Wie viel Freiheit verträgt die Liebe zu den eigenen Eltern? Ein bewegender Coaching-Roman über Familie“ trägt autobiografische Züge – und zeigt, wie sehr Belletristik zu helfen vermag, die eigene Situation zu reflektieren und zu prüfen, wie welche Wege neu zu gehen sein können, auf mehr als 350 auch unterhaltsamen Seiten.

Glaubenssätze ablegen
…weil sie das Gegenteil von „guten Vorsätzen“ darstellen – das ist eigentlich ein alter Hut in Weiterbildungs-Kreisen, siehe NLP (Neurolinguistisches Programmieren) & Co.: Sich bewusst machen, welche alten Programme aus der (meist frühen) Kindheit und evt. Jugend nach wie vor „automatisch“ ablaufen, ähnlich dem Copilot von Kahnemann, spontane Reaktionen hervor rufend, dem Limbischen System unseres Gehirns angeglichen: Tun vorm Denken also, häufig bremsend und stark bahnend… Hier nacherzählt in der literarischen Variante eines Romans, doch einem Sachbuch nahe kommend: „Kann man seine Eltern von Herzen lieben und sich trotzdem von ihren Erwartungen lösen? Diese Frage begleitet Lydia schon ihr ganzes Leben.“ Sei es im Verhältnis zur Mutter, die sie offenbar stark einschränkend erlebt (hat) – oder zum Vater, arg zurück haltend statt sie stützend. Nun also: „Sie ist zuverlässig, hilfsbereit und immer für andere da. Sie übernimmt Verantwortung, stellt ihre eigenen Wünsche zurück und versucht, niemanden zu enttäuschen.“ Helfer-Syndrom mag das gelegentlich genannt werden…

Hilfe geben statt selbst mal suchen?
Denn schwer fällt es, mal die Meta-Position einzunehmen und das eigene Tun mit Abstand zu betrachten und zu reflektieren… Tja – „nach außen wirkt ihr Leben geordnet. Doch tief in ihrem Inneren spürt sie, dass sie sich selbst verloren hat. Wer bin ich, wenn ich nicht länger nur die Erwartungen anderer erfülle? Als Lydia für mehrere Monate als Gästebetreuerin auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet, beginnt eine Reise, die ihr Leben verändert. Zwischen den Kanaren, Madeira, Portugal, Spanien und England begegnet sie Menschen, die ihr neue Perspektiven schenken. Freundschaften entstehen, Gespräche öffnen ihr Herz und stille Stunden auf dem Meer lassen sie erkennen, wie sehr ihre Kindheit ihr Leben bis heute prägt. Bei kreativen Malkursen und auf dem Jakobsweg hinterfragt Lydia alte Glaubenssätze, familiäre Prägungen und den Wunsch nach Anerkennung. Schritt für Schritt lernt sie, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören, Grenzen zu setzen und ihren eigenen Weg zu gehen – ohne die Liebe zu ihrer Familie aufgeben zu müssen. Denn wahre Freiheit bedeutet nicht, die Menschen loszulassen, die man liebt. Sie bedeutet, sich selbst nicht länger zu verlieren.“ Darauf kommt sie in Gesprächen mit Kollegen (u.a. dem Religions-Seelsorger und in ihrem „Double“ Tina) und mit Teilnehmern an den Kreativ-(Mal-)Kursen – und kommt so selbst zum Reflektieren, während sie andere eben dazu anregt…

Den eigenen Weg zu finden
…und erst einmal zu suchen – dabei kann auch eine Art Coaching-Tagebuch helfen, wie es häufig empfohlen wird. Oder gar, ein Buch zu schreiben, Erinnerungen aufzuarbeiten – und sich endlich zu lösen von vielem, was noch „über einem hängt“: Auch dafür kann dieser rundum gelungene (Sach-)Roman ein gutes Beispiel abgeben! Der zudem die x-te Publikation im Selfpublishing der Autorin ist, wow…- Auch dies noch: Ich gestehe, wieder diverse Eselsohren hinterlassen zu haben, fürs Wiederfinden bestimmter Stellen, um die ein anderes Mal wieder zu lesen: Wer jetzt die Stirne kraus gezogen hat, möge halt was einlegen, im eigenen Exemplar  … HPR www.dialogprofi.de www.gabal.de

Hanspeter Reiter