Klarnamenpflicht in Google Plus wird abgeschafft
Während der Beta Phase sorgte Google Plus noch für Aufregung, Profile die mit einem Pseudonym angelegt wurden und somit unerwünscht waren, wurden von Google aufgrund der Verpflichtung reale Namen zu benutzen rigoros gelöscht. Vic Gundotra der Entwickler von dem konzerneigenen sozialen Netzwerk Google Plus sagte, dass man sich damals bewusst zugunsten der Atmosphäre im Netzwerk für Klarnamen entschieden habe - schließlich sei man ein „Identitästdienst“.
Jetzt gab Gundotra und Sergey Brin der Gründer von Google auf dem achten „Web 2.0 Summit“ in San Francisco bekannt, sich von dem Klarnamen-Zwang zu verabschieden.
Pseudonyme sind elementar
Wie es scheint gibt Google dem anhaltenden Druck aus der Community auch auf diversen Blogs und dem Protest von IT Experten aus der Techologiebranche nach. Namenhafte Organisationen wie „Electronic Frontier Foundation“ haben Google in der Vergangenheit aufgrund der Löschung stark kritisiert. Es scheint genug Druck von allen Seiten eingewirkt zu haben, sodass Google die Strategie letzten Endes nochmals überdenken und nach einer Lösung, die für alle beteiligten annehmbar ist, suchen musste.
Vor 10 Jahren waren Pseudonyme noch normal. Erst nach Erscheinen von Facebook wurde die Klarnamenpflicht populärer. Da Google Plus hauptsächlich von Technikversierten Usern unterwandert ist, ist der Protest demnach auch nicht sonderlich überraschend. IT-affinen Menschen ist Anonymität häufiger ein Anliegen als dem Durchschnittssurfer.
Pseudonyme sind in vielen Bereichen nicht nur ein Recht auf Freiheit, sondern in manchen totalitären Systemen eine Notwendigkeit um sich überhaupt noch mit gleichgesinnten austauschen zu können, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Einfacher identifizierbar zu sein mag seine Vorteile haben, wenn man auf der Suche nach alten Klassenkameraden ist, aber nicht wenn man durch den Gebrauch von freier Meinungsäußerung um sein Leben fürchten muss.
Klarnamen bald pasé
Google verfährt prinzipiell ähnlich wie Facebook und zwingt seine Nutzer zur Verwendung von Klarnamen. So lassen sich für Werbeanbieter u.a. leichter passende Produkte ausmachen, die dem Profil namentlich entsprechen. In den Community-Richtlinien von Google Plus heißt es nach wie vor: Verwenden Sie den Namen mit dem Sie normalerweise von Freunden, Familie und Kollegen angesprochen werden. Die Gefahr bei der Verwendung von Pseudonymen ist immer noch das dieser ggf. gelöscht wird. Durch eindeutige Identifizierbarkeit passt sich das Internet zudem den eigenen Vorlieben an.
Momentan ist noch offen ab wann und wie man diese Ankündigung in die Tat umsetzen werde. Sicherlich wäre eine Art Business Profil erstrebenswert, die beide Seiten zufriedenstellen würde – sowohl die Befürworter als auch Kritiker. Google scheint eine „Neverending IT Projekt Story“ zu sein und wird diesbezüglich sicherlich nochmal klar Stellung beziehen. Gegner von Pseudonymen führen vor allem eine bessere Diskussionskultur ins Feld. Es bleibt abzuwarten ob Google eine Vorreiterrolle einnehmen wird.
Gastbeitrag verfasst von Christoph Baron. Er Studiert momentan Wirtschaftsinformatik an der HS in Kempten und arbeitet gerade bei twago, einer Projektvermittlungsplattform für hochtalentierte Kreative Programmierer, Webdesigner und Übersetzer in Berlin.



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